Wie hält man das Gedächtnis jung?

Wir alle kennen die Situation: Wir stehen vom Stuhl auf, gehen zielstrebig in die Küche und … – Was wollten wir nochmal hier? Solche Situationen scheinen sich mit voranschreitendem Alter zu häufen. Oder trügt uns dieser Eindruck? Und können wir dem entgegenwirken?

Das Gedächtnis und die Jahre

Das Gedächtnis unterliegt im Laufe der Zeit, wie alles in der Welt, Veränderungen. Dabei ist die Grundannahme: Die Leistung des Gedächtnisses und die Lernfähigkeit nehmen im Alter ab – Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Zu Teilen beruht dieser Spruch auf Fakten. Das jüngere Gehirn ist beweglicher und kann sich in neuen Situationen besser anpassen, die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist höher.

Die Aneignung von Wissen wird „fluide Intelligenz“ genannt (fluide – flüssig, fließend). Diese nimmt jedoch schon ab einem Alter von Mitte zwanzig ab. Die Beweglichkeit und die Kreativität schwinden langsam und das Erfahrungswissen übernimmt immer mehr die Führung. Wobei auch hier die Genetik eine Rolle spielt: 40% der fluiden Intelligenz sind genetisch vorherbestimmt. Doch die fluide Intelligenz kann trainiert werden. Es hilft schon dem Gehirn immer mal wieder neue Anreize zu geben: Nehmen Sie beim Spazierengehen einen neuen Weg, ändern Sie Ihre morgendliche Routine oder tauschen sie beim Essen Messer und Gabel in den Händen aus.

Der Alterungsprozess des Gedächtnisses lässt sich zwar nicht stoppen oder umkehren, doch mit etwas Training können Sie dem Abbau gezielt entgegenwirken. Ebenfalls gut zu wissen ist in diesem Zusammenhang, worauf der Neurowissenschaftler John Morrison hinweist: Wenn einmal Synapsen, unsere Schaltstellen im Gehirn, gebildet wurden, bleiben diese auch im hohen Alter bestehen. Sie sind also widerstandsfähig gegenüber dem Älterwerden.

Kristalline Intelligenz: Hier punktet das Alter

Der Begriff der kristallinen Intelligenz (kristallin – zusammengesetzt) beschreibt das Faktenwissen. Hierzu zählt alles, was der Mensch sich im Laufe der Jahre angeeignet hat: Schulbildung, Wortschatz, Allgemeinwissen – so auch Erfahrungen, Erinnerungen und Menschenkenntnis. Daher bleibt die Fähigkeit komplexe Aufgaben zu lösen, im Alter relativ konstant. Bei manchen nimmt sie sogar zu, wie auch der Erfahrungsschatz. Jüngere Personen gehen Probleme in der Regel Schritt für Schritt an. Wohingegen ältere Menschen oft eine bessere Lösung finden, da sie das Problem mit bereits gespeicherten und bewährten Mustern vergleichen und modifizieren. Außerdem sind sie besser in der Lage, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

Auf Grund all ihrer Erfahrungen und bereits erlernten Fähigkeiten, können sich ältere Personen besser in andere Menschen einfühlen. Sie verstehen ihre Motive und ihre Lage. Kurz gesagt: die soziale und emotionale Intelligenz nimmt zu. Das liegt daran, dass sich der präfrontrale Kortex, der das Gedächtnis und die Emotionen steuert, erst mit ungefähr 30 Jahren vollständig entwickelt hat.

Tipps und Tricks für unser Gedächtnis

Wichtig ist, dass das Gedächtnis möglichst vielseitig gefordert wird. Das bedeutet: Am besten viele Übungsformen nutzen und trainieren, damit unterschiedliche Hirnregionen angesprochen werden. Bedenken Sie auch immer, dass das Gehirn ein Muskel ist. Wie jeder Muskel möchte er trainiert werden, aber: Jeder Muskel ist auch unterschiedlich ausgeprägt und trainiert. Orientieren Sie sich daher an Ihrem persönlichen Niveau! Bei einer Überforderung laufen Sie Gefahr, schnell frustriert zu werden. Bei einer Unterforderung hingegen schaltet das Gehirn in den Leerlauf und arbeitet nicht.

Soziale Kontakte pflegen – Nur zehn Minuten menschlicher Kontakt und Kommunikation hat großen Nutzen für Ihre Gesundheit. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Telefonanruf, ein gemeinsames Kaffeetrinken oder ein Kartenspiel handelt. Die Gespräche geben dem Gehirn neue Anreize, sie steigern die Stimmung und unterstützen das allgemeine Wohlbefinden.

Bleiben Sie in Bewegung – Hierbei wird nicht nur ihre körperliche Gesundheit gestärkt, sondern auch die geistige. Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die langfristige Gehirnleistung aus. Dafür reichen schon kleine Spaziergänge. Sie können sich aber auch nach Gymnastikgruppen umschauen oder Reha-Sport ausprobieren. Gerade wenn Sie körperliche Einschränkungen haben, könnten Sie hiervon profitieren.

Lernen Sie eine neue Fähigkeit – Lernen Sie ein neues Musikinstrument, eine neue Sprache, eine neue Handarbeit oder eine neue Technologie zu bedienen. Damit durchbrechen Sie nicht nur Ihre Routine, sondern kurbeln auch Ihre Gedächtnisfähigkeiten an und stimulieren Ihr Gehirn. Außerdem: Etwas Neues zu lernen, heißt auch sich daran zu erinnern.

Immer weiter tüfteln – Ob Sudoku, Kreuzworträtsel oder das gute alte Puzzle: Sie alle stimulieren die Konzentration und stärken das Kurzzeitgedächtnis. Dabei verbessert das Puzzle noch die visuelle Wahrnehmung.  

Stellen Sie sich auf die Probe – Nehmen Sie z.B. Ihre Einkaufsliste und versuchen Sie sich diese zu merken. Nach ein oder zwei Stunden sollten Sie versuchen diese aus dem Gedächtnis abzurufen. Oder schauen Sie einen Film und probieren Sie hinterher aus, ob Sie die Hauptpunkte der Handlung aufschreiben können.

Die Routine durchbrechen – Sobald wir einer Tätigkeit routiniert nachkommen, schaltet unser Gehirn auf Auto-Pilot. Es muss nicht erst über die Handlung und die Abläufe nachdenken und wird in solchen Momenten auch nicht mehr gefördert. Sobald wir jedoch morgens einen anderen Weg zum Bäcker nehmen, muss das Gehirn vermehrt arbeiten. Welche Abzweigung muss ich in dieser Straße nehmen? Gibt es mögliche Stolperstellen auf den Weg? Ist die kleine Gasse aufgrund der Baustelle gesperrt? Durch diesen kleinen Trick geben Sie dem Gehirn immer wieder neue Arbeit und Denkanstöße.

Tanz und Musik – Studien haben belegt, dass gerade Musik und auch Tanzen positive Auswirkungen auf das Gedächtnis haben: Erinnerungen werden wachgerufen und das Gehirn wird vielfältig angeregt. Gerade bei alten Lieblingsliedern kann plötzlich der gesamte Text mitgesungen werden. Geradezu eine Beflügelung für das Selbstbewusstsein!

Schlafen Sie gut – Schlaf ist nicht nur für unseren Körper an sich sehr wichtig, sondern auch für unser Gehirn. Mangelnder Schlaf führt zu Konzentrationsschwierigkeiten und vermindert die Aufmerksamkeit. Darüber hinaus spielt Schlaf eine große Rolle für unser Gedächtnis. Denn unser Gehirn lernt beim Schlafen. Nach ungefähr 15 Minuten fällt der Mensch in den Deltaschlaf: An dieser Stelle schiebt das Gehirn gemachte Erfahrungen und erlernte Informationen aus unserem Zwischenspeicher in den Langzeitspeicher. Treten wir später in den REM-Schlaf ein (Phase mit einer schnellen Augenbewegung unter den geschlossenen Lidern), werden Fertigkeiten mit bestimmten Abläufen, wie Malen oder Radfahren, gespeichert. Versuchen Sie daher gut zu schlafen!

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