Wie bald Roboter in der Pflege eingesetzt werden könnten

Klingt wie aus einem Science-Fiction Film: Menschlich wirkende Roboter, die uns im Alltag helfen. Mit großen Schritten nähern diese sich aber der Realität. Zum Beispiel mit dem Roboter „Pepper“, für den in Deutschland derzeit getestet wird, ob er als Hilfe für Pflegekräfte eingesetzt werden kann.

Das ist „Pepper“

1,20 Meter groß, 28 Kilo schwer, ein Design, das ihn freundlich, süß und kindlich aussehen lässt: Pepper ist in jeder Hinsicht dafür geschaffen, sympathisch und offen zu wirken und Menschen durch sein Auftreten nicht einzuschüchtern. Dazu tragen auch seine großen, runden Augen als auch seine freundliche Stimme bei. Seine Arme wirken Menschlich, aber er ist auf drei omnidirektionalen Rädern unterwegs, mit denen er ohne sich zu drehen in jede Richtung kann. In Frankreich und Japan entwickelt, ist Pepper einer der ersten Roboter, der in verschiedenen Arbeitsfeldern den Menschen auch auf soziale Art und Weise unterstützen soll. Er kann mit Hilfe von Sensoren am Kopf hören und sehen. Selbst Stimmlagen und Emotionen kann er erkennen, um sich mit Menschen in einer angebrachten Art und Weise unterhalten zu können.

Wie kann Pepper die Pflege unterstützen?

Anders als viele andere Roboter ist Pepper vielseitig einsetzbar. In Japan sind bereits Pepper-Roboter vor Geschäften unterwegs um potentielle Kunden anzusprechen und sie so in die Läden zu locken, einige amerikanische Museen experimentieren derzeit mit Pepper als Tour-Guide. Der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien an der Uni Siegen hat in den letzten Jahren gemeinsam mit dem Masterstudiengang „Human Computer Interaction“ (HCI) an dem Roboter gearbeitet. Hierzulande soll Pepper in der Medizin eingesetzt werden.

Entwickelt wird eine Software, die Pflegepersonal bei der Arbeit unterstützen, es aber nicht ersetzen soll. Pepper ist hauptsächlich für interaktive Unterhaltung gedacht. Er redet mit Patienten, spielt Musik ab, singt und stellt Rätsel. Doch er soll nicht nur für gute Laune sorgen: Auch zur Mobilität und Sturzprävention soll Pepper beitragen, indem er die Patienten zu körperlichen Übungen anleitet. Er spricht dabei die Patienten aktiv an und motiviert zum Mitmachen. In einer ersten Studie in Siegen wurden die Menschen sehr schnell neugierig, die neuartige Technologie schnell akzeptiert.

Kein Ersatz für Menschen

Wenn es um das Thema Roboter und Künstliche Intelligenz geht, werden immer auch Stimmen laut, die solchen Entwicklungen argwöhnisch gegenüberstehen. In diesem Jahr ganz besonders aktuell ist das Thema Datenschutz: Theoretisch ist Pepper imstande, Gesichter abzuspeichern und wiederzuerkennen und so zum Beispiel gezielt auf Pflegepersonal zuzugehen oder digital die Krankenakten von erkannten Patienten aufzurufen. Da der Roboter dafür aber eben jene Akten und biometrische Daten speichern müsste, wurden bisher im Rahmen von Studien in Deutschland diese Funktionen deaktiviert.

Den größten Bedenken geht man direkter entgegen: Pepper könne und solle Pflegepersonal nicht ersetzen, betonen die Wissenschaftler. Das kann er technisch auch gar nicht: Seine Hände sind hauptsächlich dafür da, ihn mit Gestik menschlicher wirken zu lassen und beim Herumfahren das Gleichgewicht zu halten. Komplexe Abläufe wie Bringdienste erledigen kann er damit nicht. Außerdem kann er nur vorgefertigte Sätze sprechen – Freie und spontane Unterhaltungen sind damit ausgeschlossen. Sein Zweck besteht darin, Pflegekräfte zu entlasten, bzw. die Möglichkeiten der Unterstützung von Pflegekräften durch derartige Assistenten auszuloten. Grundsätzlich ist der Einsatz von Pepper als Pflegeassistent also nur ein erster Versuch, eine flächendeckende Unterstützung von Pflegekräften auf diese Art also weiterhin Zukunftsmusik. Mit der aktuellen Geschwindigkeit, was die Entwicklung von künstlicher Intelligenz sowie der entsprechenden Technik angeht, könnte diese Zukunft aber schon näher sein, also so mancher denkt.

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