Umgang mit dem Alter(n) in verschiedenen Kulturen

Die Perspektive zu den Themen „älter werden“ und „alt sein“ hat sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Es lohnt ein Blick über den Tellerrand: Wie gingen und gehen andere Kulturen mit dem Thema um?

Deutschland

In Deutschland „Alt zu sein“ bedeutet heute etwas ganz anderes, als es vor fünfzig Jahren der Fall war. Mehr Menschen als jemals zuvor werden über neunzig oder sogar hundert Jahre alt. Das heißt auch: Über fünfzig ist man fast sein halbes Leben lang. Kein Wunder also, dass die „Generation 50+“ nicht nur deutlich aktiver ist als sie es früher war, sie bildet in Deutschland auch einen immer größeren Anteil an der Gesellschaft. Und wer in der Mehrheit ist, prägt auch die Meinung der Gesellschaft mit.

An der Universität Heidelberg gibt es ein eigenes Institut für Gerontologie, das sich also speziell mit der Forschung des Älterwerdens beschäftigt. Das führt zu spannenden Ergebnissen im internationalen Vergleich.

Japan

Nicht nur die deutsche Gesellschaft altert, in Japan gibt es diesen Trend ebenfalls. Aber hier gibt es eine andere Einstellung zum Alter: Etwa ein Drittel der Haushalte haben Bewohner aus drei Generationen. Das geht wohl einher mit dem höheren Pflichtgefühl, die ältere Generation zu pflegen. Grundsätzlich ist das etwas positives, gerade in Ballungszentren führt das ständige Zusammenleben allerdings immer häufiger zu stressbedingten Problemen. Im Vergleich zu Deutschland sind ältere Generationen zudem weit weniger an öffentlichen Entscheidungen beteiligt: Die Politik widmet sich hier vermehrt anderen Aspekten als Rente und Co.

Norwegen

Die Bildungssysteme in skandinavischen Ländern gelten im internationalen Vergleich als beispielhaft. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Norwegen auch älteren Menschen ein gutes Bildungssystem bietet. Integration und Austausch zwischen Generationen funktionieren hier weitgehend sehr gut, ältere Menschen können sich in der öffentlichen Diskussion gut Gehör verschaffen. Die demographische Entwicklung ist ähnlich wie in Deutschland und das Rentenalter wurde (ebenfalls wie in Deutschland) auf 67 Jahre erhöht. Gerade in Bezug auf das Prinzip „Lernen ein Leben lang“ können sich viele Nationen von Norwegen noch einiges abschauen.

Brasilien

Einen Kontrast hierzu bietet Brasilien. Das Verhältnis zum Altern ist hier ein vollkommen anderes. In der öffentlichen Diskussion findet das Thema „Alt sein“ kaum statt. Stattdessen gilt hier „jung sein um jeden Preis“ für sehr viele Menschen als das absolute Ideal. In wie weit dieses Ideal in der Praxis einzuhalten ist, hängt dabei sehr stark vom sozialen Status ab. Wer es sich leisten kann, verbirgt sein Alter hinter Schönheits-OPs, auffälliger Mode und teuren Schönheitsprodukten. Und sich das leisten kann wahrlich nicht jeder, denn Altersarmut ist ein konsequentes Problem. Wenige Menschen arbeiten hier bis 65, denn die Bevölkerung in Brasilien ist im Durchschnitt viel jünger als in Europa und der Kündigungsschutz nicht so ausgeprägt. Daher werden viele durch jüngere, günstigere Arbeitskräfte ersetzt und haben dann Probleme mit dem Geld auszukommen. Es wundert also auch wenig, dass die Durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland rund sieben Jahre höher ist als die in diesem südamerikanischen Urlaubsziel.

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