Spiel und Beschäftigung in der Pflege von Angehörigen

Spiele zu spielen fördert die Gemeinschaft, fordert das kreative und analytische Denken, hält geistig fit – und macht Spaß! Es gibt unterschiedlichste Spiele, die sich für verschiedene Ziele einsetzen lassen. Wir stellen einige davon vor.

Spielerisch fit bleiben

Das Spielen von Spielen kann im Alter und in der Pflege an verschiedenen Stellen helfen, und unterschiedlichen Zielen dienen. Mögliche Langeweile wird unterbrochen, je nach Schwerpunkt der Beschäftigung werden Muskeln oder Gehirnleistung trainiert und damit auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten der Pflegebedürftigen wieder zurückgeholt. Ob im eigenen zu Hause oder in pflegerischen Einrichtungen wie dem Alten- oder Pflegeheim, viele der hier vorgeschlagenen Spiele und Beschäftigungen können flexibel im kleinen oder großen Kreis angewendet werden.

Individuelle Bedürfnisse und Vorlieben

Natürlich müssen die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen beachtet werden: Wenn er oder sie zeit seines/ihres Lebens eine Abneigung gegen Gesellschaftsspiele hatte, wird sich diese Meinung im Alter meist nicht ändern. Allerdings gibt es eine Menge Alternativen, etwa das Besuchen von Malkursen, das Crocket-Spiel im Garten, ein Spaziergang mit einem guten Gesprächspartner. Genauso verhält es sich mit den Anforderungen an demenzkranke oder auch bettlägerige Pflegebedürftige, an die die Auswahl der Spiele angepasst werden müssen.

Auch bei der Gestaltung der Spiele müssen manchmal Anpassungen vorgenommen werden. Etwa eine größere Schrift bei Leseaufgaben, eine gute Handhabe von Spielsteinen und Karten oder auch die entsprechende Lautstärke bei Vorführungen.

Verschiedene Möglichkeiten

Gesellschaftsspiele können allgemein förderlich für die Stimmung der Gruppe sein und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Die Kommunikation wird angeregt und im besten Fall wird viel gelacht oder geschmunzelt.

  • Würfel-Bingo, ist eine entferne Variation des Bingo und kann mit 1- 5 Spielern in der Runde gespielt werden. Ziel ist es, beim Würfeln die Beste Punkte-Kombination zu erspielen.
  • Vertellekes ist ein äußerst beliebtes Spiel in der Arbeit mit und für Senioren. Es kommt ohne Konkurrenz- oder Leistungsdruck aus und bestärkt die Spiel-Teilnehmer vielmehr darin, etwas aus ihrem Leben zu erzählen –plattdeutsch „vertellen“ – zu singen, oder sich an andere Dinge zu erinnern. Insbesondere bei der Biographiearbeit ist das eine sehr entspannte und hilfreiche Art und Weise sich kennenzulernen.
  • Galgenmännchen: Dieses Spiel kennen wohl die meisten. Es existiert schon seit dem späten 19. Jahrhundert in verschiedenen Regelabwandlungen und unter verschiedenen Namensbezeichnungen.
  • Stadt-Land-Fluss gehört zu den altbekannten Spielen, die verschiedene Rubriken behandeln, wie etwa Geografie, Musik, Beruf oder ähnliches. Gleichzeitig kann nochmal viel Allgemeinbildung abgefragt werden.
  • „Wer bin ich?“ gehört auch zu den beliebten Party- und Gesellschaftsspielen, die mit wenig Aufwand für viel Spaß und Gelächter sorgen können. Hier werden Namen/Gegenstände oder ähnliches auf Zettel geschrieben, die den Mitspielern auf die Stirn geklebt werden. Diese Mitspieler müssen den Namen dann mit entsprechenden Fragen erraten.

Brettspiele sind oft Klassiker. Meist werden sie zu zweit oder mit mehr Leuten gespielt. Sie können die Geistesarbeit in strategischer Bemühung wachrufen oder stärken. Allerdings ist in den hier aufgeführten Spielen oft das Konkurrenzdenken angesprochen. Für die noch fitten Senioren bedeutet das im besten Fall eine Bestärkung ihres Selbstwertgefühls.

  • Mensch ärgere dich nicht
  • Mühle
  • Dame
  • Schach
  • Monopoly
  • Domino
  • Backgammon

Kartenspiele werden auch oft in kleiner Runde gespielt und bieten den Vorteil, dass die allermeisten Beteiligten die Regeln bereits kennen. Ein Kartenspiel ist schnell bei der Hand und kann den Alltag schnell vergehen lassen.

  • Maumau
  • Skip-Bo
  • Skat
  • Rommé
  • Solitaire/Patience

Bewegungsspiele gehören zu einem der wichtigsten Faktoren, um die Mobilität und Beweglichkeit des Menschen zu erhalten. Denn der Körper „vergisst“ bei Nicht-Gebrauch bestimmte Fähigkeiten mit der Zeit. Am einfachsten und effektivsten ist dabei eine gewisse Routine und Regelmäßigkeit. Selbst bei einer schon eingetretenen Bettlägerigkeit, kann das entsprechende Training mit Bällen oder Gymnastikübungen das tägliche An- und Ausziehen, das Umsetzen in einen (Roll-)Stuhl oder andere Bewegungsabläufe erheblich verbessern. Auch im fortgeschrittenen Alter kann der Aktivitätsradius wieder erweitert werden – Mit dem entsprechenden Angebot und vor allem dem nötigen Spaßfaktor.

  • Ballspiele können sehr viel bewirken und mit dem entsprechenden Material (weich, mit geringem Verletzungsrisiko) auch die entsprechende Action mit sich bringen. Jeder kann seine Geschicklichkeit beim Ballwerfen mit Partner oder auch Körben als Ziel üben, ohne dass es mit irgendeinem Leistungsdruck verbunden werden muss. Seien Sie in der Hinsicht durchaus kreativ.
  • Auch Gymnastikübungen – in der Gruppe oder allein – fördern die Mobilität. Seien es Kniebeugen, Dehn- oder Streckübungen: in kleinen Einheiten, jedoch regelmäßig und gezielt bewirken Sie viel, um dem körperlichen und damit oft einhergehenden geistigen Abbau entgegenzuwirken.
  • Tanzen hilft in allen Lebenslagen und bei den richtigen Melodien ergibt sich die Bewegung und das Erinnern ganz von selbst.
  • Die „Bewegungskette“, funktioniert als Gruppenspiel und nimmt das Prinzip von „Ich packe meinen Koffer“ auf. Eine Person gibt eine Bewegung vor, die von einer zweiten Person aufgenommen und um eine weitere Übung ergänzt wird. Daraus ergibt sich bei mehreren Personen und Runden eine ganze Bewegungschoreographie.

Spiele im Freien oder im Garten/Park. Bewegung im Freien tut einfach gut. Und der Aufenthalt im Freien stärkt zudem die Aufnahme von Vitamin D sowie die Abwehrkräfte.

  • Boule (in Deutschland auch Boccia), ist ein angenehmer Zeitvertreib, dessen Ursprung bis ins Römische Reich des 5. Jh.s v. Chr. nachweisbar ist. In zwei oder mehr Teams wird versucht die Kugeln in die Nähe der kleinsten Kugel zu werfen.
  • Crocket gehört zu den Rasenspielen, die ein gewisses Maß an Präzision erfordern. Mit hammerähnlichem Schläger wird versucht mehrere Bälle durch einen Parcour aufgestellter Törchen zu schlagen.
  • Wem das alles zu aufregend ist, kann auch allein oder zu mehreren einen Spaziergang machen.
  • Leichte Gartenarbeit an Hochbeeten kann für diejenigen, die ihren eigenen Garten oder Balkon nicht mehr alleine bewältigen können, eine Alternative sein. Die Arbeit mit den eigenen Händen wirkt beruhigend und im Ergebnis befriedigend.
  • Auch der Umgang mit Werkzeug und leichte Handarbeit weckt altbekannte Fähigkeiten und Handgriffe wieder wach.

Mit dem Stift lässt sich viel Geistesarbeit schaffen, und allein oder zu zweit verschiedene Aufgaben lösen

  • Schiffe versenken
  • Kreuzworträtsel
  • Sudoku
  • Stadt-Land-Fluss

Sensorik-Spiele geben neue und alte Anreize, um den Körper zu spüren. Auch dieser Faktor des Körperbewusstseins hat erhebliche Wirkung auf den physischen und psychischen Zustand und sollte nach Möglichkeit unterstützt werden.

  • Altbekannte oder auch beliebte Melodien hören oder auch einfach mitsingen
  • Berührung und Massagen mit dem Igelball helfen Verspannungen zu lösen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Berührung das Immunsystem stärkt. Trotzdem sollte die Befindlichkeit des Gegenübers beachtet werden und nachgefragt werden, ob es genehm ist.
  • Unterschiedliche Materialien in einer abgedeckten Kiste erfühlen lassen, kann sehr viel Spaß machen
  • Gemeinsames Kochen, Gewürze riechen und schmecken lassen, Zutaten probieren. Der Geschmacksnerv nimmt bei manchen im Alter zwar ab, trotzdem hat der Genuss und das Essen für manch einen noch einen belebenden Reiz.
  • Das Basteln von Dekoration oder Kränzen kann für die ästhetisch feingeistigen Menschen eine große Freude bedeuten.
  • Barfusspfade und Sinnesgärten, geben besondere Sinnesreize an den sonst so geschützten Fußsohlen. Sie können dabei Erinnerungen an den Strandurlaub oder andere Assoziationen wachrufen.
  • Malen lässt der emotionalen Seite viel Raum und fördert damit die Kreativität. Selbst diejenigen, die in ihrem bisherigen Leben nicht allzu viel mit Malen und Zeichnen am Hut hatten, können sich hier ganz unverfänglich ausprobieren.
  • Vorlesen (lassen). Eine ruhige entspannte Umgebung, mit wenig bis keine Nebengeräusche, eine gute und deutliche Aussprache und kurze, „gut verdauliche“ Kapitel machen das Vorlesen zu einem sehr schönen Zeitvertreib. Wählen Sie nach Möglichkeit keine Thriller oder allzu aufregende Kost, schöner sind hier die humoristisch oder fröhlich angehauchten Geschichten.

Demenz-spezifische Spiele und Beschäftigung sollten nicht zu aufregend oder wettbewerbsorientiert sein. Das Maß an Frustration oder Verunsicherung sollte gering gehalten werden. Gute Beispiele bieten hier die teils schon erwähnten Spiele.

  • Vertellekes (s.o.)
  • Memory – hier gibt schöne Beispiele in dem man eine persönliche Gestaltung mit Familienfotos oder ähnlichem schafft.
  • Puzzeln, auch hier lassen sich die Schwierigkeitsgrade variieren und demenzgerechte Variationen sind verfügbar.
  • Vorlesen (lassen)
  • Kochen und Backen
  • Leichte Gartenarbeit, Handwerkliches
  • Leichte Hausarbeit wie Wäsche sortieren oder zusammenlegen
  • Ausflüge und Spaziergänge
  • Musik, Gesang und Tanz
  • Malen

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