Pflege in aller Welt – USA

Wie sieht das Pflegesystem im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ aus? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zu Deutschland? Ein Blick über den Atlantik und den eigenen Tellerrand.

Funktions- und Bezugspflege

Im Grunde teilt sich das Pflegesystem in den USA in zwei Systeme: die patienten- und die aufgabenbezogene Pflege. Bei der aufgabenbezogenen „Funktionspflege“ ist eine Pflegekraft für bestimmte Aufgaben verantwortlich und führt diese bei allen Patienten auf der Station aus. Es gibt sozusagen für jeden Aufgabenbereich einen eigenen Verantwortlichen, der entsprechend geschult ist.

Die patientenbezogene „Bezugspflege“ setzt hingegen darauf, dass sich eine Pflegekraft um einen Pflegebedürftigen kümmert. Dieses letztere System wird „Primary Nursing“ genannt, was sinngemäß übersetzt so viel wie „Grundversorgungs-Pflege“ bedeutet. Das „Primary Nursing“ ermöglicht einen sehr engen Bezug zwischen Pflegebedürftigen und Pflegepersonal, weil es sich um eine 1:1-Betreuung handelt. Die Pflegekraft kann sich dadurch individuell auf den Patienten einlassen und die Pflege persönlich gestalten.

Welches System zur Anwendung kommt – Funktionspflege oder Bezugspflege – hängt von der jeweiligen Einrichtung ab, von der die Pflege gewährleistet wird.

Finanzielle Absicherung

Pflegebedürftigkeit bringt immer auch Kostenfragen mit sich. In den USA gibt es keine übergreifende Absicherung für Pflegebedürftige. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, für den Krankheits- und/oder Pflegefall vorzusorgen – oder muss im Fall der Fälle alles aus eigener Tasche bezahlen. Für eine Absicherung stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, wie zum Beispiel freiwillige Pflegeversicherungen, Sparverträge für den Pflegefall oder soziale Hilfsprogramme.

Bei den Sparverträgen sind die sogenannten „home equity conversions“-Verträge sehr verbreitet. Diese Verträge regeln, was im Pflegefall mit unbelasteten Kapitalanteilen passieren soll („home equity“ = Hypothek, „conversion“ = Umwandlung). Bei den Hilfsprogrammen gibt es hingegen zwei staatlich finanzierte Systeme, die weit verbreitet sind: „Medicaid“ und „Medicare“.

Medicaid (eine Wortzusammensetzung aus „Medic“ für „Medical“, also „Medizinisch“, und „aid“ für „Hilfe“) ist ein Hilfsprogramm, das einkommensschwachen Menschen im Pflege- oder Krankheitsfall unter die Arme greifen soll. Dieses Programm wird von Bund und Ländern finanziert und dessen konkrete Umsetzung entsprechend in den einzelnen Bundesstaaten geregelt. Ob jemand Anspruch auf Medicaid hat und wie viel, hängt unter anderem auch von Familienstand und Gesundheitszustand ab.

Medicare („Medi“ steht für „Medizinisch“, „care“ bedeutet „Pflege“) wird hingegen von der Bundesregierung finanziert und setzt als Voraussetzung nicht die finanzielle Lage der Betroffenen, sondern das Alter: Medicare können nur Menschen über 65 erhalten bzw. beantragen. Inbegriffen sind vor allem die finanzielle Unterstützung von häuslicher Pflege oder medizinischer Betreuung.

Ähnliche Herausforderungen

Die USA stehen in Bezug auf das Pflegesystem vor ganz ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland: Die Menschen werden immer älter und zu wenige junge rücken nach. Das heißt, der Pflegebedarf wird in den nächsten Jahren weiter steigen und entsprechend auch in Amerika bereits jetzt dringend neue Pflegekräfte benötigt, um den steigenden Bedarf zukünftig decken zu können.

Abgesehen von den unterschiedlichen Varianten der finanziellen Absicherung Pflegebedürftiger, unterscheidet sich das Pflegesystem in den USA also nicht so sehr von Deutschland. Das mag unter anderem daran liegen, dass sich die USA auch kulturell nicht so gravierend von Deutschland unterscheidet. Was das Thema des Umgangs mit dem Alter(n) betrifft, herrschen ganz einfach ähnliche Ansichten vor. Dies spiegelt sich zum Beispiel in dem System der persönlichen Pflege wieder, in der es darum geht, dem Einzelnen eine würdige und individuelle Pflege zu ermöglichen. Und darum sollte es letztlich immer gehen.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog