Pflege in aller Welt – China

Heute werfen wir einen Blick in Richtung Osten und schauen uns näher an, wie die Pflege in China aussieht. Dort ist nicht nur die Pflegebranche im großen Wandel, sondern das komplette Gesundheitssystem.

Pflege als Branche – Eine neue Welt in China

Die Pflege als Dienstleistungsbranche steckt noch in den Kinderschuhen in China. Denn gerade die Altenpflege ist in der chinesischen Kultur ursprünglich eine Familienangelegenheit. Das verbreitete Familienmodell ist: Die Großeltern ziehen die Enkelkinder auf (während die Eltern arbeiten) und zugleich kümmern sich die Jüngeren um die Älteren.

Die Ein-Kind-Politik und steigende Krebserkrankungen sorgen jedoch dafür, dass dieses Modell nicht mehr zukunftsfähig ist. Seit ein paar Jahrzehnten bereiten sich die Chinesen daher intensiv auf ihre kranken und alternden Bürger vor. So eröffneten in den 1980er Jahren die ersten Hospize ihre Türen – namentlich im Jahr 1987 in Beijing und in 1988 in Shanghai.

Die große Schwierigkeit: Das Thema „Tod“ ist ein Tabu. Der Glaube, dass es Unglück bringt, über den Tod eines Patienten zu sprechen, ist sehr verbreitet. Dies stellt eine der größten Hürden in der palliativen Pflege dar. Das bedeutet, dass die Pflege nicht nur als Branche neu ist, sondern auch tiefgreifende kulturelle Änderungen mit sich bringt und Tabus bricht.

Ausbildung zum Pfleger und Karrieremöglichkeiten

Das Pflegepersonal in China ist überwiegend weiblich – über 90 Prozent – und noch sehr jung. Gut 40 Prozent der Pflegekräfte sind unter 35 Jahre alt. Die meisten absolvieren für den Pflegejob zunächst eine zweijährige Ausbildung. Die nächste Stufe in der Ausbildung stellt das Pflegediplom dar (welches fast die Hälfte aller Pflegekräfte erwerben) und ein kleiner Teil schließt anschließend ein Bachelor- oder sogar Master-Studium ab. Diese Ausbildungswege spiegeln sich auch in der Hierarchie der Pflegekräfte wieder. Es gibt insgesamt fünf Stufen: Krankenschwester/-pfleger, Pflegefachperson, Stationsleitung, stellvertretende Pflegedirektion und die Pflegedirektion.

Obwohl die Pflegeausbildung in China heutzutage recht gut und ein Personalmangel wie in Deutschland bisher nicht zu spüren ist, fördert die Republik China Auslandsaufenthalte ihrer Fachkräfte. Diese sollen dem Ziel dienen, sowohl ihre Horizonte zu erweitern, als auch ihre Fähigkeiten und ihr Wissen weiter zu fördern. So ist die Hoffnung, dass die Pflegekräfte nach einigen Jahren im Ausland wieder zurückkommen und die chinesische Pflegebranche mit ihrer Erfahrung bereichern. Hierin ist der Pflegeberuf in China einzigartig, denn gezielt geförderte Auslandserfahrung als Karrieremöglichkeit ist global eher eine Seltenheit und ist zudem ein weiterer attraktiver Punkt bei der Berufswahl.

Diese Bestrebungen zahlen sich aus, denn die Pflegebranche ist in China so stark im Wachstum, dass das Pflegepersonal laut Prognosen ab 2020 die größte Gruppe an Dienstleistern im chinesischen Gesundheitssektor sein wird.

Das Land der Superlative

Ein weiteres Problem neben den angesprochenen kulturellen Vorurteilen und Tabus, ist die Frage nach stationären Gesundheitseinrichtungen. Wer denkt die USA seien „das Land der Superlative“, hat noch nicht von Chinas Einrichtungen für Pflegebedürftige gehört. Denn dort existieren bereits Pflegeeinrichtungen für bis zu 2.000 Bewohner – Im Vergleich dazu leben in deutschen Pflegeeinrichtungen im Durchschnitt 50-120 Menschen.

Diese Superlative spiegelt sich im Wachstum an allen Seiten wider: Denn ein stetiges Wachstum ist nicht nur beim Pflegepersonal zu vermerken, sondern auch im Bau von Pflegeeinrichtungen wie Hospizen, Krankenhäusern, Rehas usw. Der akute Mangel an Einrichtungen bietet viele Möglichkeiten beim Ausbau und zur Weiterentwicklung, welche genutzt werden.

Im Vergleich zu Deutschland zeigen sich einige interessante Facetten auf und ein paar deutliche Unterschiede. Neben den offensichtlichen kulturellen Unterschieden ist das vor allem der Fakt, dass ein Mangel an Pflegekräften (trotz alternder Bevölkerung) bisher nicht vorhanden ist – eher im Gegenteil. Die Pflegebranche ist in China ein stark wachsender Sektor und wird kräftig ausgebaut. China arbeitet daran, eigene Tabus und Vorurteile abzubauen und ihre Pflegekräfte durch Auslanderfahrung zu fördern. Hier können wir gut voneinander lernen – Der Blick über den eigenen Tellerrand zeigt eben häufig unerwartete Aspekte.

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