Pflege bei Parkinson

Jede Erkrankung hat ihre eigenen Symptome, ihre eigene Therapie, ihre eigenen Komplikationen und Begleiterscheinungen.  Daher hat auch jede Erkrankung ihre eigenen Bedürfnisse in der Pflege. So auch Morbus Parkinson – oder wie sie früher genannt wurde: Die Schüttellähmung.

Mehr als nur ein Zittern

Fragt man Menschen nach Parkinson antworten die meisten: „Das ist doch das mit dem Zittern.“ Doch die Erkrankung Morbus Parkinson ist mehr als nur das auffälligste seiner drei Hauptsymptome: Das Zittern, der sogenannte Tremor. Dieser kann in Ruhezuständen auftauchen, aber auch bei Bewegungen und führt zu starken Beeinträchtigungen. Das zweite Hauptsymptom ist die Muskelsteifheit, auch Rigor genannt. Sie entsteht durch eine erhöhte Grundspannung der Muskulatur und führt zu einer gebeugten Körperhaltung, die im Verlauf der Erkrankung typisch ist für Parkinson-Patienten. Das letzte Hauptsymptom ist die Akinese, die Unbeweglichkeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Patienten sich nicht mehr bewegen können, sondern vielmehr, dass die Bewegungen wesentlich langsamer und vermindert sind. Diese Unbeweglichkeit kann auch dazu führen, dass die Erkrankten ein fast schon maskenartig wirkendes Gesicht haben.

Selbstständigkeit fördern und ermutigen

Parkinson verläuft schubweise. Daher schwankt auch der Grad der nötigen Pflege. Es gibt Zeiten in denen sich Erkrankte ganz gut allein zurecht finden und dann gibt es Zeiträume, in denen sie sehr viel mehr Hilfe brauchen. Bei aller Pflege ist es jedoch wichtig, dass immer die Selbstständigkeit der erkrankten Personen gefördert wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass man so lange wartet bis der Pflegebedürftige verzweifelt um Hilfe bittet. Es bedeutet vielmehr, dass man geduldig sein sollte. Kann ein Patient eine Handlung selbstständig ausführen, sollte er es tun. Auch wenn dies länger dauern kann. Dadurch behält sich der Patient ein gewisses Maß an Selbstständigkeit bei und das Selbstbewusstsein wird gestärkt.

Wenn vom Tremor, dem Zittern, auch Lippen, Zunge oder Kinn betroffen sind, werden die Gesichtsmuskeln starr und die Aussprache ist verwaschen und hört sich monoton an. Dazu kommt noch, dass das Atemvolumen häufig abnimmt, was dazu führt, dass die Stimme immer leiser wird. Daher werden Parkinson-Erkrankte oft schlecht verstanden. Es hilft den Betroffenen, wenn man Blickkontakt hält, Interesse signalisiert und ihm geduldig genügend Zeit für seine Aussage gibt. Denn viele Patienten ziehen sich aufgrund dieser Probleme immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und isolieren sich. Daher sollte man ihnen ermutigend zur Seite stehen und anregen Freundschaften zu pflegen und an Unternehmungen teilzunehmen. Dadurch wird nicht nur das Selbstwertgefühl des Patienten gestärkt, sondern auch einer möglichen Depression vorgewirkt, die bei ca. 50% der Parkinson-Erkrankten im Krankheitsverlauf auftreten kann.

Bewegung als Schwerpunkt der Pflege

Bewegungsarmut ist ein Hauptsymptom bei Morbus Parkinson. Diesem sollte frühestmöglich entgegengewirkt werden, da sie zu zunehmender Gangunsicherheit und Sturzgefahr führt. Dafür wird der Betroffene zu einfachen Bewegungsübungen animiert: Hinsetzen und Aufstehen vom Stuhl, Drehen im Bett, Fingerübungen oder Übungen für die Mimik vor dem Spiegel. Die Übungen helfen nicht nur die Beweglichkeit zu behalten, sondern sie helfen auch der an Parkinson erkrankten Person ein besseres Körpergefühl zu geben und sich somit wohler in der eigenen Haut zu fühlen. Dies wirkt sich positiv auf die Psyche aus und kann dabei behilflich sein, auch die sozialen Kontakte zu halten.

Damit sich Parkinson-Patienten möglichst lange selbstständig fortbewegen können, sollten – sofern der Pflegebedürftige zu Hause wohnt – in der Wohnung Stolperfallen vermieden werden. Gibt es Teppichkanten, die sich gerne als Hindernis herausstellen? Hat die Wohnung viele Engpässe, durch die kein Rollator passt? Können Ecken und Kanten vermieden oder vielleicht mit Plastikschonern abgerundet werden?

Hilfsmittel und Tipps

Vielen Betroffenen fällt das Aufstehen schwer. Ein erhöhter Stuhl mit Armlehnen erleichtert das Aufstehen, so dass oft auf fremde Hilfe verzichtet werden kann. Wenn sie sitzen ist es immer mal wieder angenehm, sich zwischendurch aufzurichten, die Schultern nach unten zu ziehen und die Nackenmuskulatur, durch ein leichtes herabsenken des Kopfes zur Schulter, zu dehnen. Vor dem Aufstehen ist es hilfreich, wenn der oder die Pflegebedürftige zuerst an die Vorderkante des Stuhls rückt und die Beine breitbeinig und möglichst nah an den Stuhl heranzieht. Dies stabilisiert den Vorgang. So wie der erhöhte Stuhl das Aufstehen erleichtert, erleichtert auch ein erhöhter Toilettensitz die Benutzung dieser. Darüber hinaus sind auch Haltegriffe im Bad sehr nützlich. Vielen dient auch ein Duschhocker zur Beibehaltung der Selbstständigkeit in der Körperpflege.

Für ein angenehmeres Erlebnis beim Essen und Trinken können Bestecke helfen, die einen besonders festen und verbreitertem Griff haben. Des Weiteren gibt es Randerhöhungen für Teller, die das Essen, z.B. von Suppen, erleichtern können. Zum Trinken können große Tassen mit großem Henkel verwendet werden. Viele Patienten leiden zudem an Schlafstörungen. Die Ursachen können nächtlicher Harndrang, Krampfanfälle oder unwillkürliche Bewegungen sein. Manchmal entstehen Schlafstörungen aber auch, weil die Patienten sich nicht mehr automatisch im Schlaf umdrehen können und daher aufwachen. An dieser Stelle können eine leichtere Decke und Bezüge aus Satin helfen. Die leichtere Decke und der „rutschigere“ Bezug können das Umdrehen erleichtern.

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