Kann künstliche Intelligenz bald Ärzte ersetzen?

Computer erleichtern uns tagtäglich das Leben und erlernen rasant immer komplexere Aufgaben. Zählt dazu vielleicht bald auch die medizinische Behandlung?

Mensch und Maschine

Die künstliche Intelligenz (KI) Forschung hat in den letzten Jahrzehnten immer schnellere Fortschritte gemacht. Was sich anfangs fast ausschließlich auf theoretische Dinge wie Schach beschränkte, ist zunehmend besser auch für die praktische Anwendung geeignet und immer mehr Arbeitsschritte, die bisher von Menschen gehandhabt wurden, können inzwischen effektiv durch Maschinen übernommen werden – in vielen Fällen sogar wesentlich effizienter, als ein Mensch es könnte. Roboter bauen längst nicht mehr nur Autos zusammen, die Digitalisierung weitet sich immer weiter aus. Die KI-Forschung ist sogar schon in der Lage, dass Roboter menschliche Emotionen identifizieren und auf diese reagieren können. Dies hat unter Anderem der Roboter „Cimon“ gezeigt, der mit dem Astronauten Alexander Gerst zur Raumstation ISS geflogen ist.

Künstliche Intelligenz in der Medizin

Kein Wunder also, dass man sich auch in der Medizin die Frage stellt, in welchen Bereichen Maschinen Ärzte unterstützen können. Es wird sogar mitunter überlegt, wo sie sie vollständig ersetzen könnten: Denn rein theoretisch zumindest könnten sie ja zuverlässiger sein und weniger Fehler machen. Denn Maschinen werden weder müde, noch haben sie mal „einen schlechten Tag“: Das Risiko menschlichen Versagens ist ausgeschlossen.

Aber in welchen Bereichen kann eine KI überhaupt helfen? Der wohl derzeit realistischste Bereich für den Einsatz von künstlichen Intelligenzen in der Medizin liegt vor allem in der Diagnostik. Hier gibt es bereits verschiedene Studien, die die möglichen Vorteile deutlich machen: Verschiedene Tests zeigten, dass Anzeichen von Hautkrebs bereits sicherer durch KIs erkannt werden können als durch manch menschlichen Arzt, in einer anderen Studie konnte eine chinesische KI auf Gehirnaufnahmen mit 87% Zuverlässigkeit Hirntumore erkennen, während selbst menschliche Top-Ärzte des Fachbereichs nur 66% erreichten – und dafür doppelt so lang brauchten.

In der reinen Analyse sind die Computer also im klaren Vorteil. Eine moderne KI kann sich mehr Informationen über den Patienten merken und diese verarbeiten, als Menschen es können. Dabei haben sie auch die Möglichkeit sich objektiv zu der Diagnose Gedanken zu machen. Jedoch betonen die Entwickler dieser Computerprogramme auch, dass sich Ärzte nicht vor dieser neuartigen Technologie fürchten sollen, sondern sie als mögliche Unterstützung ihrer Arbeit ansehen sollten. Man kann sie schließlich genauso als Werkzeug betrachten, wie das Abhörgerät oder die Röntgen-Maschine.

Kein Ersatz für Menschlichkeit

Die Studien zeigen: Künstliche Intelligenzen sind auch in der Medizin unsere Zukunft. Das heißt aber nicht, dass sie in absehbarer Zeit imstande sein werden, Ärzte zu ersetzen. Auf der 68. Nobelpreisträger-Tagung in Lindau wurden Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler nach ihrer Einschätzung gefragt, inwieweit man noch Ärzte bräuchte, sobald KIs besser und effizienter arbeiten. Die Antworten stimmten vor allem in einer Sache überein: Zum Auswerten im Labor sind KIs eine große Hilfe, aber Menschlichkeit ist in der Medizin einfach zu wichtig. Und diese haben sie eben nicht und werden sie in absehbarer Zeit auch nicht haben. Medizin ist nun einmal mehr als Diagnose und Medikamentenverabreichung: Für eine gute Behandlung ist auch der menschliche Faktor von größter Wichtigkeit.

Denn ein Mensch will nicht einfach nur behandelt werden: Er will verstanden werden und als Patient ernstgenommen. Selbst wenn man es mit rein nachweisbaren Fakten ausdrückt, ändert sich an diesem Tatbestand nichts: KIs verstehen z.B. das Prinzip des Placebo-Effektes noch nicht ausreichend, um diesen effektiv in der Behandlung von Patienten einsetzen zu können.

Auch Verantwortung kann eine KI nicht übernehmen. Die letztendliche Entscheidung, wie eine Behandlung vorzunehmen ist, muss daher für die absehbare Zukunft bei Ärzten bleiben. Menschlichen Ärzten.

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