Einfach nur urlaubsreif! Entlastung für pflegende Angehörige

Wer einen Angehörigen pflegt, ist häufig im Dauereinsatz. Die langfristige, tägliche körperliche und auch seelische Belastung, die damit einhergeht, fordert großen Einsatz und viel Energie. Doch der menschliche Körper braucht Erholungsphasen, um leistungsfähig zu bleiben. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Warum Entspannung so wichtig ist

Wer einen Angehörigen pflegt, sei es ein Elternteil, die Großeltern oder der Partner, muss sich an eine ganz neue Situation anpassen. Die Enge der oft familiären Pflegebeziehung und die zeitgleiche Veränderung der gewohnten Rollenverhältnisse fordern eine Menge Energie und gleichen einem emotionalen Kraftakt. Hinzu kommen z.B. bei Demenzerkrankungen psychische Veränderungen des Pflegebedürftigen. Die einst vertrauten Wesensmerkmale verändern sich und man muss neue Wege für den Umgang und die Kommunikation miteinander finden.

Zusätzlich zu dieser seelischen und emotionalen Belastung kommen die körperlichen Anforderungen. Wenn man dem Pflegebedürftigen beim Aufstehen, Hinsetzen, Hinlegen etc. helfen muss, bedeuten diese Tätigkeiten häufig insbesondere eine Belastung für den Rücken. Und wenn der Pflegende selbst bereits älter und/oder gesundheitlich angeschlagen ist, ist die eigene körperliche Leistungsfähigkeit ohnehin eingeschränkt.

Dann darf man nicht den Punkt verpassen, seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Der menschliche Körper ist zwar sehr anpassungsfähig und kann auch über einen langen Zeitraum hinweg (übermäßig) strapaziert werden. Dann ist es jedoch umso wichtiger, Erholungszeiten einzuräumen, um wieder aufzutanken – bevor man zusammenbricht. Typische Anzeichen für Erschöpfung und Überlastung sind unter anderem: Dauermüdigkeit, grundsätzliches Unwohlsein, Energiemangel, innere Unruhe, Ängste, depressive Stimmungszustände, Magen-Darm-Probleme oder Herz-Kreislauf-Störungen.

Entlastungsangebote nutzen

Diese Warnsignale sollten nicht ignoriert werden. Viele empfinden ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber dem Pflegebedürftigen, oder sogar Schuldgefühle bei dem Gedanken, sich Hilfe zu suchen und die Person damit vermeintlich „im Stich zu lassen“. Man muss sich jedoch bewusst werden, dass jeder auch eine Verantwortung für sein eigenes Leben trägt. Es ist wichtig, sich bewusst Phasen der Entspannung einzuräumen und Entlastung zu suchen – ohne dass man den Pflegebedürftigen dadurch „vernachlässigen“ würde. Dafür gibt es einige Angebote.

Um sich den Stress „von der Seele zu reden“, kann man sich beispielsweise Angehörigengruppen suchen, um sich mit Menschen in ähnlichen Situationen auszutauschen. Generell ist der Kontakt zu anderen Menschen wichtig, um entweder „den Kopf frei zu bekommen“, oder auch konkret Hilfe in Anspruch zu nehmen – von Nachbarn, Freunden oder anderen Angehörigen.

Für ganz konkrete, praktische Fragestellungen gibt es Pflegekurse für Angehörige, in denen man beispielsweise lernt, wie man bei klassischen Pflegetätigkeiten seinen Rücken schonen kann. Zusätzlich gibt es Angebote wie eine Pflegeberatung, beispielsweise vom „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP). Oder man sucht sich einen Psychotherapeuten, um einen gesunden Umgang mit der emotionalen Belastung zu finden. Im ersten Schritt kann man hier auch den Hausarzt ansprechen und nach Möglichkeiten fragen.

Auszeit nehmen: Organisatorische und finanzielle Fragen klären

Für eine langfristige Entlastung können ambulante Pflegedienste einen Teil der erforderlichen Tätigkeiten übernehmen, oder alternativ eine stundenweise Betreuung gewährleisten. Eine richtige „Auszeit“ kann man mit Urlaub oder einer Reha-Maßnahme erreichen. Über die Pflegeversicherung können für solche Auszeiten eine ambulante Ersatzpflege oder eine stationäre Kurzzeitpflege finanziert werden. Hier sollte man sich im Vorhinein über die Möglichkeiten informieren und sich beraten lassen. Oft kann hier auch zum Beispiel der Anbieter der Reha-Maßnahme Fragen beantworten und Tipps geben.

Für wen eine solche Auszeit nicht in Frage kommt, weil er den oder die Pflegebedürftige(n) keinesfalls „allein“ lassen möchte, der kann sich über Angebote informieren, bei denen man den Pflegebedürftigen mitnehmen kann. Es gibt extra Kuren für pflegende Angehörige, bei denen die Pflegebedürftigen mitkommen können. Sie werden dann vor Ort betreut, während die Angehörigen Angebote wie Schwimmkurse, Yoga, Massagen, Gesprächsgruppen etc. wahrnehmen.

Grundsätzlich ist ganz wichtig zu verstehen: Sich Hilfe und Entlastung zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche oder „im Stich lassen“. Sondern es zeigt vielmehr, dass man sich seiner Verantwortung bewusst ist und die eigenen Grenzen (er)kennt. Entlastung findet man häufig nicht mit nur einer einmaligen Maßnahme, sondern mit einem Mix aus den vorgeschlagenen Angeboten.

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