Die Pflege-Charta: Was sie ist und was sie bewirkt hat

Viele Menschen wissen sehr wenig von der sogenannten Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen. Dabei ist sie für die Rechte von Pflegebedürftigen und damit für die Pflege in Deutschland allgemein von großer Bedeutung.

Was ist die Pflege-Charta und wie ist sie entstanden?

Die Charta ist im Rahmen des „Runden Tisches Pflege“ im Herbst 2005 entstanden. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung beschlossen mit ihr, hilfe- und pflegebedürftige Menschen in ihrer Lebenssituation besser zu unterstützen. Ca. 200 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen der Altenpflege haben sich der Arbeit daran beteiligt. In Arbeitsgruppen wurden Handlungsempfehlungen entwickelt, um die häusliche und stationäre Pflege zu verbessern und das Ergebnis bildete die Pflege-Charta, in denen die Rechte von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen genau beschrieben werden. Sie bietet den pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen ein Maß, an dem sie die Pflege bemessen können und gibt den Pflegekräften eine Richtlinie, die sie in ihrem Arbeitsalltag beachten sollten. Das Ziel soll eine würdevolle Gestaltung der Pflege sein und es sollen neue Impulse für die gesamte Pflege geschaffen werden. Mittlerweile ist sie in verschiedene Gesetze eingeflossen und viele Verbände und Institutionen setzen sich für die Verbreitung dieser Charta ein. Doch aus welchen Artikeln besteht die Charta?

Die acht Bereiche der Pflege-Charta

1. Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe

Das Recht der Entscheidungsfreiheit muss auch bei pflegebedürftigen Personen beachtet werden. Der Wille der Pflegebedürftigen ist dabei die Grundlage, auf die das Handeln der beteiligten Personen ausgerichtet sein sollte. Dies soll auch in Situationen beachtet werden, in denen sich der pflegebedürftige Mensch nicht sprachlich ausdrücken kann, sondern seine Wünsche nur durch ein bestimmtes Verhalten zum Ausdruck gebracht werden kann. Die Patienten sollen so unterstützt werden, dass sie Hilfe zur Selbsthilfe bekommen, sodass sie ein möglichst selbstbestimmtes und selbstständiges Leben im Rahmen der Möglichkeiten führen können.

2. Körperliche und seelische Unversehrtheit, Freiheit und Sicherheit

Die Patienten haben das Recht sich vor körperlicher und seelischer Gewalt zu schützen. Diese Gewalt kann durch Festhalten und Festbinden, durch Verletzen und Zufügen von Schmerzen oder durch unerwünschte medizinische Eingriffe geschehen. Dabei sollen die beteiligten Personen auf einer Augenhöhe kommunizieren und nicht „von oben herab“.

3. Privatsphäre

Dem Privatbereich der Pflegebedürftigen soll mit Respekt begegnet werden. Es muss die Möglichkeit gegeben werden, sich zurück zu ziehen. Auch die Verwendung von privaten Gegenständen in stationären Einrichtungen soll ermöglicht werden. Außerdem soll die Sexualität, die geschlechtliche Orientierung und die Lebensweise immer respektiert werden.

4. Pflege, Betreuung und Behandlung

Jeder pflege- und hilfebedürftige Mensch muss das Recht haben eine individuelle, gesundheitsfördernde und qualifizierte Behandlung, Betreuung und Pflege zu bekommen. Dabei sollen die jeweiligen Pflegepersonen ausreichend qualifiziert sein, um sich um die Anliegen der Patienten zu kümmern.

5. Information, Beratung und Aufklärung

Einhergehend mit dem Recht auf eine qualifizierte Behandlung soll auch dafür gesorgt werden, dass die pflegebedürftigen Menschen ausreichend informiert und über ihre Behandlung aufgeklärt werden. Das fließt natürlich auch in den Punkt Selbstbestimmung oben ein.

6. Kommunikation, Wertschätzung und Teilhabe an der Gesellschaft

Den Patienten soll die Möglichkeit gegeben werden, sich als Teil der Gesellschaft zu fühlen. Dies wird manchmal schon durch den Einsatz kleinerer Hilfsmittel wie Hörgeräten ermöglicht. Es soll auch angestrebt werden, eine möglichst uneingeschränkte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, z.B. durch die Teilnahme an Veranstaltungen oder an Wahlen.

7. Religion, Kultur und Weltanschauung

Des Weiten sollen die Patienten die Möglichkeit haben, entsprechen ihrer Kultur und ihrer Weltanschauung entsprechend zu leben, sowie die Möglichkeit haben, ihre Religion auszuüben. Dabei sollen die pflegebedürftigen Menschen auch Unterstützung bei elementaren Lebensfragen bekommen, z.B. durch eine seelsorgerische Beratung durch einen Geistlichen.

8. Palliative Begleitung, Sterben und Tod

Zuletzt soll am Lebensende für eine individuelle Sterbebegleitung gesorgt werden. Die Patienten sollen selbst bestimmen können, ob sie lebenserhaltende Maßnahmen bekommen sollen. Auch die Wünsche über die Art ihrer Bestattung sollen respektiert werden.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog