Außergewöhnliche Pflegeorte: Kreuzfahrtschiff und Demenz-Dorf

Dauerhaft auf einem Schiff leben, durch die Welt schippern und das trotz des hohen Alters und der Pflegebedürftigkeit? Oder mit Demenz seinen Alltag ganz normal weiterführen können? Geht das? Zwei außergewöhnliche Alternativen zum Pflegeheim.

Kreuzfahrtschiff als Pflegeheim

Ein Kreuzfahrschiff ist sicher etwas ganz anderes als ein Alters- oder Pflegeheim. Das Unternehmen „TED Cruises“ möchte diese außergewöhnliche Idee jedoch realisieren. Dafür sollen gewöhnliche Kreuzfahrschiffe umgebaut werden, um als Alternative zu Pflegeheimen zu fungieren. Mit diesen Kreuzfahrschiffen würde man dann nicht nur in Europa und weltweit reisen können, sondern wäre dabei auch was die Pflege betrifft rundum versorgt.

Auf Kreuzfahrtschiffen kommt man schnell in Kontakt mit den Mitreisenden. Vor allem im Seniorenalter ist es wichtig, ganz bewusst den Kontakt zu anderen Menschen zu pflegen. So kam man auf die Idee, dieses Erlebnis auch für Senioren, die pflegebedürftig sind, zu ermöglichen. Mit Schiffen, die ihren Bedürfnissen entsprechen, können sie trotz gesundheitlicher Einschränkungen den abwechslungsreichen Alltag einer Kreuzfahrt erleben.

Das Leben auf dem Schiff

Die Idee, Kreuzfahrtreisen und Pflege zu verbinden, war der Ausgangspunkt. Auf dem Schiff soll dann nicht nur geschultes Personal für Pflegebedürftige zur Verfügung stehen – Auch eine Krankenstation und ärztliche Versorgung werden angeboten. Abgesehen davon, sollen neben Restaurants und Cafés auf dem Schiff auch diverse Unterhaltungsveranstaltungen und Wellness- und Sportmöglichkeiten angeboten werden, die auf die Pflegebedürftigen abgestimmt sind. Dadurch, dass das Schiff weltweit andockt, können Familienbesuche organisiert werden.

Bisher gibt es nur ein Kreuzfahrtschiff, das als eine Art „mobiles Pflegeheim“ umgerüstet wurde – die „MS Lebenstraum“. Die monatlichen Kosten für die Rundum-Versorgung auf diesem Schiff liegen zwischen 2900 und 3900 Euro. Das hängt unter anderem von der gebuchten Kabine ab – wie bei einer „normalen“ Kreuzfahrt. Ob es bald mehr solcher Kreuzfahrtschiffe gibt, hängt davon ab, wie dieses erste Pilotprojekt angenommen wird.

Niederländer bauen ganze Dörfer für Demenzkranke

Eine andere ungewöhnliche Idee für die Versorgung für Pflegebedürftige, insbesondere Demenz-Erkrankte, hatten die Niederländer. Sie bauten in Weesp ein ganzes Dorf nur für Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Das Dorf bietet auch Supermärkte, Frisöre und vieles mehr – eben alles, was man für das alltägliche Leben so braucht. Alle Angestellten sind meist in Zivil gekleidet und integrieren sich in das Dorfleben. Sie sind allerdings keine Schauspieler. Werden sie von Bewohnern angesprochen und gefragt, wer sie sind, antworten sie mit der Wahrheit. Doch davon abgesehen wird einfach eine kleine Dorfgemeinschaft geschaffen, die es den Bewohnern ermöglicht, ihren Alltag soweit es geht „normal“ zu führen.

Immer mehr Länder sind von dem niederländischen Dorf-Konzept begeistert und setzen es ebenfalls um. Kritisiert wurde an dem Konzept, dass die Dörfer meistens weit weg von der Zivilisation liegen würden. Das wird meist mit der Sicherheit der Bewohner begründet, die innerhalb des Dorfes bleiben, bei dem es nur einen (bewachten) Ein- und Ausgang gibt. Die Dänen haben ein etwas anderes Konzept umgesetzt und ihre „Demenz-Dörfer“ in der Stadt gebaut. So gibt es die Möglichkeit, dass Familien und Gäste das Gelände betreten können und die Bewohner sich auch außerhalb des Geländes bewegen. Um sicherzustellen, dass nichts passiert, kann man sie über ein GPS Signal orten.

Mehr zwischenmenschliche Kontakte

Sowohl das Leben auf dem Schiff, als auch in einem Dorf setzen auf den Erhalt von zwischenmenschlichen Kontakten und eine familiäre Umgebung. Beide Konzepte arbeiten gezielt gegen die Gefahr der Isolation, die viele Pflegebedürftige betrifft. Stattdessen soll die Zeit, die Menschen im Alter haben, sinnvoll genutzt werden und ihnen trotz ihrer Pflegebedürftigkeit Aktivität und Abwechslung geboten werden. Sowohl auf dem Schiff als auch im Dorf findet eine Integration in eine Gemeinschaft statt. Je nachdem, wie man seinen Lebensabend verbringen möchte, können also auch solch ungewöhnliche Alternativen zum Pflegeheim in Betracht gezogen werden.

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