Akupunktur und Akupressur: Was ist dran?

Jahrelang hatte Akupunktur in Deutschland mit einem Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen. Doch die Wissenschaft geht das Thema neu an, was auch für die Zukunft der Schmerztherapie von Bedeutung sein kann.

Wissenschaftliche Ablehnung sinkt

Traditionelle chinesische Medizin, die auf Energiefluss und „Qi“ beruht? Nadeln, die in den Körper gesteckt werden, um Schmerzlinderung und Heilung zu erzielen? Das klingt in einem aufgeklärt wissenschaftlich geprägten Land wie Deutschland in der Tat sehr seltsam. Und tatsächlich ist die Wirkung von Akupunktur wissenschaftlich nicht so nachgewiesen, wie die von anderen Behandlungsmethoden. Aber die Tendenz ändert sich mittlerweile: Beispielsweise konnte eine Studie der Universität Jena nachweisen, dass zumindest eine leicht schmerzstillende Wirkung auch unter wissenschaftlich objektiven Bedingungen nachweisbar ist. Denn Akupunktur verringerte die messbare Intensität von Schmerzreizen im Gehirn von Testpersonen. Diese waren narkotisiert, ein reiner Placebo-Effekt damit nach Meinung der Wissenschaftler ausgeschlossen.

Das Prinzip von Akupunktur

Die traditionelle Chinesische Medizin (kurz TCM) geht davon aus, dass Lebensenergie den Organismus in zwei Formen durchströmt, Yin und Yang. Ein Gleichgewicht zwischen beiden ist der Idealzustand und Akupunktur soll helfen, ein Ungleichgewicht zu lösen. Dabei geht es darum, auf sogenannte Meridiane im Körper Einfluss auszuüben, denen entlang diese Energie fließen soll. Moderne Medizin kennt diese Meridiane auch: Hier entlang laufen wichtige Nerven. Das könnte die festgestellte Wirkung mit erklären. Akupunktur funktioniert übrigens nicht immer nur mit Nadeln. Moderne Akupunkteure greifen neben diesem klassischen Werkzeug heute auch auf Wärmeenergie, Strom oder Laserstrahlen zurück. Solche Werkzeuge können aber auch komplett weggelassen werden. Dann hat man

Die weniger bekannte verwandte Form: Akupressur

Nicht jeder kann sich mit der Vorstellung anfreunden, dass Nadeln in den eigenen Körper gesteckt werden. Aber Angst vor der Spritzennadel ist das eine, Akupunkturnadeln sind zum einen dünner und werden zum anderen nicht in Blutgefäße geführt, sodass man im Normalfall nur ein leichtes Ziepen spürt, oft sogar nicht einmal das. Es gibt aber auch eine nicht-invasive Methode, die auf denselben Prinzipien beruht wie die Akupunktur. Die Akupressur orientiert sich ebenfalls an alten Lehren des Energieflusses durch den menschlichen Körper, manipuliert diese allerdings nicht durch eine Punktur der betroffenen Stellen sondern durch den gezielten Aufbau von Druck.

Krankenkassen zahlen in bestimmten Fällen

Seit 2007 gibt es Akupunkturbehandlungen, die von gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dabei handelt es sich um die Behandlung von chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule sowie der Knie. Auch wenn es sich dabei um Ausnahmen handelt und so ziemlich jede andere Form von Akupunktur nach wie vor aus der eigenen Tasche bezahlt werden muss, zeigt das doch, dass diese traditionelle chinesische Form mittlerweile Einzug in die deutsche Medizin gehalten hat.

Trotz der langen Tradition steckt Akupunktur in Deutschland aber nach wie vor in den Kinderschuhen. Das liegt auch daran, dass die wissenschaftlichen Meinungen auch nach ersten Studien immer noch auseinandergehen. Während die einen durch Studien wie die aus Jena großes Potential sehen, bleiben andere skeptisch, da die nachgewiesene schmerzlindernde Wirkung klein ist und die dahinterstehende philosophische Grundlage für viele unzeitgemäß wirkt. Doch gerade im Bereich der Pflege und der Behandlung besonders von Dingen wie Arthrose und Kopfschmerzen in höherem Alter, könnte Akupunktur viel Potential haben – Ohne teure Medikamente. Es wird daher spannend sein zu beobachten, wie sich die Methode in naher Zukunft in Deutschland entwickelt.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog