Was bedeutet überhaupt "pflegebedürftig"?

Immer wieder beschäftigen wir uns mit Themen, die pflegebedürftige Personen betreffen. Themen wie Intensivbeatmung, Demenz, Künstliche Ernährung, aber auch Gesundheitstipps, die präventiv helfen sollen. Aber ab wann gilt ein Mensch denn überhaupt als pflegebedürftig?

„Den“ Grund für Pflegebedürftigkeit gibt es nicht

Wenn man verschiedene Menschen fragt, was sie unter Pflegebedürftigkeit verstehen, erhält man je nach Person häufig recht unterschiedliche Antworten. Das hat mehrere Gründe: Zum einen verbinden viele Menschen mit dem Begriff eine eigene Erfahrungsgeschichte. Jeder, der schon einmal pflegebedürftige Angehörige hatte, wird bei dem Begriff notgedrungen zunächst an diese meist sehr persönlichen Geschichten denken. Und diese Geschichten können, wenn es beispielsweise um Demenz geht, sehr anders sein als Geschichten, bei denen es um eher körperliche Einschränkungen geht.

Pflegebedürftigkeit ist also ein relativ breit anwendbarer Begriff. Eine einzige klassisch-medizinische Begründung von „Pflegebedürftigkeit“ gibt es demnach nicht: Es gilt immer den Einzelfall zu betrachten.

Bedürftigkeit kommt von Bedürfnis

Pflegebedürftigkeit richtet sich nicht direkt nach den Symptomen, die ein Mensch mitunter aufgrund von bestimmten Krankheiten hat, sondern definiert sich direkt über die Einschränkungen der Selbstständigkeit, die damit einhergehen, beziehungsweise die Maßnahmen, die nötig sind, um über diese Einschränkungen hinwegzuhelfen. Offiziell definiert wird der Begriff „Pflegebedürftigkeit“ nach deutschem Recht im Pflegeversicherungsgesetz, das sich im elften Sozialgesetzbuch findet. Paragraph 14 besagt:

„Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.“ (SGB14 §14)

Kurz: Wer aus geistigen, körperliche oder seelischen Gründen Hilfe durch andere braucht, um normalerweise alltägliche Aufgaben zu bewältigen, gilt dann als pflegebedürftig, wenn das voraussichtlich mindestens ein halbes Jahr der Fall ist.

Es wird von Fall zu Fall entschieden

Ob die oben genannten Gegebenheiten zutreffen, also auch, ob eine Person rechtlichen Anspruch auf entsprechende Unterstützung hat, entscheidet eine Einschätzung durch Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) bei gesetzlich Versicherten oder durch Sachverständige der Firma „Medicproof“ im Falle von Privatpatienten. Sie entscheiden anhand der Mobilität, Kommunikationsfähigkeit, Psyche, Selbstständigkeit, Belastungsfähigkeit und sozialer Kontaktfähigkeit, in welchen Pflegegrad man eingeteilt werden kann. Die Pflegegrade sollen helfen, Pflegebedürftigkeit in Abstufungen zu quantifizieren. Bei Unfällen dauern Einschränkungen zum Beispiel weniger als sechs Monate – In solchen Fällen werden keine besonderen Pflegekosten nicht durch die Pflegekasse getragen, da das Kriterium, dass es mindestens sechs Monate dauern muss, nicht erfüllt ist.

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