Vitaminmangel: Ursachen, Folgen und was man tun kann

Sie essen ausgewogen und achten auf Ihre Ernährung. Doch beim letzten Check-Up sagte Ihnen der Arzt: „Sie haben einen Vitaminmangel.“ Wie ist das möglich? Was sind die Gründe für einen Mangel und warum sind gerade ältere Menschen besonders betroffen?

Vitaminmangel – ein verstecktes Defizit

Auf den Lebensmittelverpackungen sind sie nicht wegzudenken: Die Nährstofftabellen. Ihnen werden die Kalorien, der Fettgehalt und manchmal auch der Vitamingehalt entnommen. Darüber hinaus sagen uns diese Tabellen noch, wieviel der empfohlenen Tagesdosis wir mit dem Produkt abdecken. Da sollte es doch nicht schwer sein, alle Vitamine, die man so braucht, zu sich zu nehmen. Oft ist es aber nicht einfach die falsche Ernährung, eine Diät oder eine Lebensweise (vegetarisch, vegan), die einen Vitaminmangel hervorruft. Die Lebensmittelzubereitung, die Lagerung, chronische Erkrankungen und Stress – sie alle sind Faktoren für einen Vitaminmangel. Denn je nach Dauer und Art der Lagerung oder im Prozess der Zubereitung werden Vitamine abgebaut und gehen somit verloren. Medikamente oder Krankheitsverläufe können dazu führen, dass ein Vitamin schlechter aufgenommen wird und in Stresssituationen oder akuten Krankheiten (z.B. einer Erkältung oder Grippe) steigt der Vitaminbedarf an. Das bedeutet, dass die Versorgung des Körpers immer vom individuellen Stoffwechsel, von vorhandenen Erkrankungen und verschiedenen Lebensphasen (z.B. Wachstumsphase, Schwangerschaft, Sportler) abhängt.

Ein Defizit ist gerade zu Beginn nur schwer zu erkennen, da er sehr unspezifische Symptome verursacht. Es kommt zu Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und der Mensch ist irgendwie „dünnhäutig“ (emotional labil). Gerade diese Anzeichen lassen sich leicht auf Schlafmangel und Stress zurückführen. Im weiteren Verlauf werden die Symptome deutlicher und charakteristischer. Ein Mangel an Vitamin K führt zum Beispiel zu einer erhöhten Blutungsneigung, wenn Vitamin E fehlt kommt es zu unwillkürlichem Zittern, zu wenig Vitamin B2 bringt Hautausschlag und eingerissene Mundwinkel mit sich. Allerdings sind auch eine allgemeine Schwächung des Immunsystems und eine erhöhte Infektionsanfälligkeit Hinweise auf eine Vitaminmangelerscheinung. Der Arzt kann durch einen Bluttest schnell darüber Auskunft geben, ob es sich hier um ein Defizit im Vitaminhaushalt handelt, oder ob eventuell eine Krankheit hinter den Symptomen und Beschwerden steckt.

Warum ältere Menschen vom Vitaminmangel besonders gefährdet sind

Im Laufe des Lebens verändert sich der Bedarf an Nährstoffen. Ältere Menschen haben z.B. in der Regel einen niedrigeren Energie-Grundumsatz, das bedeutet, es sind weniger Kalorien notwendig, als noch in früheren Jahren. Im Gegensatz dazu wird der benötigte Vitaminbedarf nicht verringert, sondern steigt oft noch an. Doch manche Senioren essen nur wenig. Die einen aus Appetitlosigkeit, die anderen aus Einsamkeit. Gerade Menschen mit Demenz vergessen oft zu essen und zu trinken.  Zahnprobleme können dazu führen, dass nur wenig oder vitaminarme Lebensmittel zu sich genommen werden (z.B. Weißbrot oder Pudding). Außerdem nimmt der Körper Vitamine schlechter auf. Ein Grund dafür sind häufig Magenbeschwerden, die sich durch Sodbrennen, Übelkeit oder Bauchkrämpfe bemerkbar machen. Die Magenprobleme werden häufig durch Medikamente ausgelöst, z.B. durch Schmerzmittel, Antibiotika oder Cortison. Um diese Magenbeschwerden abzumildern, werden oft Säureblocker verschrieben – diese hemmen jedoch ebenfalls die Aufnahme von Vitaminen, besonders betroffen ist das Vitamin B12.

Gerade in zwei Bereichen weisen ältere Personen Vitaminmängel auf – beim Vitamin D und Vitamin B12. Vitamin D ist zusammen mit Magnesium für die Knochendichte verantwortlich und vermindert das Risiko für Knochenbrüche. Es wird auch das „Sonnenvitamin“ genannt, da es unter Sonneneinstrahlung vom Körper selbst produziert wird – und das zu ungefähr 80%. Normalerweise halten sich jedoch ältere Menschen weniger im Freien auf als jüngere. Dies liegt meist daran, dass aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen regelmäßige längere Spaziergänge ausfallen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Vitamin-D-Synthese in der Haut mit zunehmendem Alter abnimmt. Ein Mangel an Vitamin B12 kann mit Müdigkeit und Herzklopfen beginnen und bis zu Verwirrung und nachlassendem Erinnerungsvermögen führen – erste Anzeichen einer Demenz. Um zwischen einem Vitamin B12-Defizit und einer beginnenden Demenz zu unterscheiden, ist es daher unerlässlich einen Arzt aufzusuchen. Wie bei jedem anderen möglichen Vitaminmangel müssen auch hier zuerst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Von A bis K – Ursachen, Symptome und vitaminreiche Lebensmittel

Vitamin A – Nicht nur wichtig für die Augen, sondern auch für die Wachstumsprozesse vieler Zellen. Außerdem trägt es dazu bei, Haut und Schleimhäute gesund zu halten. Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen, Glutenunverträglichkeit oder mit Leberproblemen neigen dazu, einen Vitamin A-Mangel aufzuweisen. Zu den Symptomen können Nachtblindheit sowie eine Verdickung, Austrocknung und Schuppenbildung der Haut gehören. Zu finden ist Vitamin A nicht nur in Mohrrüben, sondern auch in Grünkohl, Spinat, Feldsalat, Basilikum, Fenchel, Löwenzahn und in der Süßkartoffel.

Vitamin B12 – Dieses Vitamin ist wichtig für die Zellteilung und spielt eine wichtige Rolle innerhalb der Blutbildung. Das Vitamin wird durch den Darm aufgenommen, wobei bestimmte Eiweißmoleküle aus der Magenschleimhaut vonnöten sind. Daher sind gerade Personen mit öfters auftretenden Magenproblemen von einem Vitamin B12-Mangel betroffen, aber auch Parasiten im Darm (z.B. Würmer) können die Aufnahme hemmen. Das Defizit führt zu Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Leistungsverminderung und eine Erhöhung der Herzfrequenz. Auch psychische Symptome wie eine herabgesetzte Merkfähigkeit oder Depressionen können vorkommen. Vitamin B12 ist in allen tierischen Lebensmitteln enthalten. Fleisch, Fisch und Käse liefern dabei die höchsten Dosen. Aber auch in Chlorella, eine Gattung der Süßwasseralgen, kommt Vitamin B12 vor.

Vitamin C – Vitamin C fängt nicht nur freie Radikale ab, sondern ist auch am Aufbau des Bindegewebes beteiligt und hilft Hormone zu bilden. Ein Vitamin C-Mangel kann durch Lebensstilfaktoren, z.B. Rauchen, eine geringe tägliche Einnahme von frischem Obst und Gemüse sowie durch Medikamente wie Antibiotika oder Acetylsalicylsäure (Inhaltsstoff in Aspirin) entstehen. Auch Menschen mit Diabetes sind häufiger von diesem Defizit betroffen als andere Personen. Der Körper kann allerdings nur geringe Dosen von Vitamin C speichern. Daher muss es über den ganzen Tag regelmäßig aufgenommen werden. Zu den Symptomen von Vitamin C gehören Ödeme, Gelenkschmerzen und ein entzündetes, blutendes Zahnfleisch. Gute Vitamin C-Quellen sind Kiwi, Brokkoli, Paprika, Hagebutte, Acerola(-Kirsche), Sanddornbeere, Erdbeeren, schwarze Johannisbeeren, Guave und Rosenkohl.

Vitamin D – Das Vitamin D ist an einer Reihe von Stoffwechselvorgängen beteiligt: Die Muskulatur wird mit Kalzium versorgt, beim Immunsystem hilft es bei der Differenzierung und Reifung von Abwehrzellen, bei Knochen und Zähnen ist es notwendig für den Einbau von Kalzium und im Hormonsystem ist es wichtig für die Absonderung von Insulin und Schilddrüsenhormonen. Da Vitamin D zu ungefähr 80% durch die Sonneneinstrahlung in der Haut selbst gebildet wird und zu 20% über die Nahrung zugeführt wird, kann durch eine mangelnde Sonnenbestrahlung oder durch eine unzureichende Aufnahme über die Nahrung ein Defizit entstehen. Darmerkrankungen oder chronische Erkrankungen von Leber und Niere begünstigen einen Mangel. Außerdem können bestimmte Medikamente, wie z.B. Antiepileptika, die Aufnahme erschweren. Vitamin D wird nicht sofort verbraucht, sondern kann für einige Monate im Körper gespeichert werden. In Lebensmitteln ist Vitamin D in fetten Fischsorten (Aal, Lachs, Hering, Makrele), Butter, Eier, Leber, Avocado und Speisepilzen zu finden.

Vitamin E – Auch das Zellschutzvitamin genannt, da es Radikale abfängt und die Körperzellen vor schädlichen Einflüssen (z.B. freie Radikale) schützt. Diese Schutzfunktion betrifft besonders den Fettstoffwechsel. In Cremes eingesetzt soll es speziell die Haut pflegen. Um Vitamin E aufzunehmen ist eine funktionierende Fettverdauung wichtig. Ist die Absorption im Darm gestört, kann es zu einem Vitamin E-Mangel kommen. Davon betroffen sind Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen, Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse, fehlenden Gallensäuren, aber auch Personen mit Glutenunverträglichkeit. Zu den Symptomen eines Vitamin E-Mangels gehören unwillkürliches Zittern, Störungen der Bewegungskoordination, Beeinträchtigungen der Reflexe und eine geistige Verlangsamung. Es können aber auch Erkrankungen der Netzhaut des Auges auftreten. Zu den Vitamin E-Quellen gehören Sonnenblumenöl, Vollkornprodukte, Tomatenmark, Mandeln, Rapsöl, Olivenöl und Roggen.

Vitamin K – Ein Vitamin, das selten große Beachtung findet. Dabei spielt es bei der Bildung der Gerinnungsfaktoren eine große Rolle. Besonders für Frauen ist es weiterhin interessant, weil es den Knochenabbau nach den Wechseljahren hemmt. Auch bei einem Defizit von Vitamin K sind chronische Erkrankungen des Verdauungstraktes beteiligt. Eine längere Einnahme von Antibiotika kann ebenso zu einer Knappheit führen. Ein leichter Mangel kann sich durch Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und eine erhöhte Infektanfälligkeit äußern. Im weiteren Verlauf kann es zu verstärkten Blutungen bei Verletzungen kommen, blaue Flecke treten häufiger auf und Nasenbluten sowie Schleimhautblutungen mehren sich. Des Weiteren kann ein Mangel auch zu einer Abnahme von Knochendichte führen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit eines Knochenbruches erhöht. Finden lässt sich das Vitamin besonders im grünen Blattgemüse, wie z.B. Spinat, Salat und Kohl, darüber hinaus ist es auch in Hülsenfrüchten vertreten.

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