Sich selbst verlernen: Wie Demenz den Charakter verändern kann

Von klein auf lernen wir, wie man sich in der Gesellschaft verhält, was für uns wichtig ist, wer für uns wichtig ist. Dieses Lernen hört nie auf. Doch was, wenn das, was wir ein Leben lang erlernt und erlebt haben, uns plötzlich abhandenkommt? Gerade wegen dieser Möglichkeit ist Demenz so gefürchtet.

Leben ist ein ständiger Lernprozess

Der Charakter eines Menschen entwickelt sich mit der Zeit. Ein Leben lang werden wir geprägt – durch die Erziehung, durch unser soziales Umfeld, durch die Gesellschaft. Als Kind werden wir geeicht uns richtig und regelkonform zu verhalten. In der Gesellschaft lehren uns die Reaktionen des sozialen Umfelds, welche Auswirkungen unsere Verhalten hat. Die eigene Veranlagung und der Einfluss der Umwelt wirken zusammen auf uns als Individuum ein und formen unseren Charakter.

Dementsprechend sollte es für die Wenigsten verwunderlich sein, dass die Krankheit auch Auswirkungen auf Charakter und Persönlichkeit von Betroffenen haben kann. Besonders schwerwiegend ist diese Veränderung, wenn ein Mensch durch die Krankheit keine Kontrolle mehr über seine Emotionen und sein Verhalten im sozialen Umfeld hat. Unter anderem kann das dadurch passieren, dass er oder sie erlernte Muster im Umgang mit seinen oder ihren Mitmenschen vergisst und so verlernt.

Fremde Vertraute

Einzelne Charakterzüge können sich als Folge von Demenz verändern oder ganz spezifisch an Intensität zunehmen. Ein Mensch, der stets sparsam war, kann so zum Beispiel ein auffällig starkes Geizgefühl entwickeln. War der Mensch in seinem Leben besonders konsequent, kann das in Folge der Demenz in Starrsinn gipfeln. Aber auch die Umkehrung von Charakterzügen ist möglich. So ist es denkbar, dass eine ehemals taktvolle Person eine immer stärkere Distanzlosigkeit entwickelt.

Angehörige stehen mit der Diagnose vor einer großen emotionalen Herausforderung: Ein geliebter Mensch ist erkrankt, verändert sich und ist in manchen Situationen vielleicht sogar gar nicht wiederzuerkennen? Womöglich erkennt er auch andere nicht mehr – Wie soll man also mit einem Menschen umgehen, der so anders ist? Es ist wichtig sich in Erinnerung zu rufen, dass es trotz aller Veränderung immer noch derselbe Mensch ist. Betroffene nichts dafür, dass die Krankheit ihr Verhalten ändert. Sporadische „Momente der Klarheit“ zeigen zudem bei vielen Betroffenen, dass das „alte Ich“ durchaus noch da ist. Als Angehöriger ist es nun wichtig sich zu informieren und genaueres über die Krankheit zu lernen, die vorliegt. In den meisten Fällen handelt es bei Demenz um Alzheimer.

Spezielle Umgangsformen helfen

Demenzerkrankte haben durch ihre Einschränkung ganz spezielle Bedürfnisse an den Alltag. Diese hören nicht auf bei den Umgangsformen, die ihnen gegenüber angebracht sind. Vergesslichkeit, macht den Alltag leicht überfordernd, chronische Überforderung schnell aggressiv. Im direkten Umgang und im Gespräch sollte man das beachten, indem man solchen Emotionen entgegenwirkt und sie nicht noch verstärkt. Das klappt zwar nicht immer, aber die richtigen Gesprächstechniken helfen. Widerworte machen keinen Sinn, weil der Erkrankte einer anderen Logik folgt. Es sollte außerdem versucht werden Gewohnheiten so lange wie möglich beizubehalten. Man kann auch versuchen mit gut sichtbaren Uhren dem Alltag Orientierung zu geben. Wichtig ist auch, selbst gelassen zu bleiben und dadurch Sicherheit geben.

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