Pflege in aller Welt – Australien

Wir wagen heute nicht nur den Blick über den eigenen Tellerrand, sondern gehen gleich an das andere Ende der Welt: In unsere Serie „Pflege in aller Welt“ geht es mit Australien weiter. Wie sieht es „Down Under“ im Land der Kängurus mit der Pflege aus?

Ein weltweiter Trend: Die alternde Bevölkerung

Australien hat genau das gleiche Problem wie Deutschland und eine Vielzahl von Ländern, denn auch hier gibt es einen demographischen Wandel. Die Prognosen für die Zukunft sehen zwar immer mehr ältere Menschen, aber zugleich gibt sich das Land viel Mühe, dem zu begegnen und einer Überalterung entgegen zu wirken. Aktuell findet eine Umstrukturierung des Gesundheitssystems statt.

Der Mangel an Plätzen in Seniorenheimen bedeutet, dass es Senioren möglich gemacht sein soll, zu Hause gepflegt zu werden. Die Regierung fördert dementsprechend sogenannte „Home Care Maßnahmen“ – also Maßnahmen für die Pflege zu Hause. Zugleich werden ganze „Senioren-Dörfer“ gebaut und bezogen.

Diese „Senioren-Dörfer“ sind eine ganz neuartige Initiative. Hier werden richtige Dörfer gebaut, die von Senioren bezogen werden. Dafür wird der gesamte Alltag Seniorentauglich gemacht, ob nun das Einkaufen, Autofahren oder die Einrichtung der Häuser. Zusätzlich sind Pfleger vor Ort. Dies soll die Selbstständigkeit fördern und zugleich Hilfeleistungen ermöglichen, wann immer sie nötig wird.

Die „Senioren-Dörfer“ – der Weg für die Zukunft?

Diese Dörfer gibt es nicht nur in Australien – Direkt bei uns „um die Ecke“ in den Niederlanden in Weesp gibt es ein ähnliches Dorf. Das „Demenz-Dorf“ in Tasmanien wurde sogar dem Vorbild von Weesp nachgebaut. Diese Dörfer sind immer ganz an die Bevölkerung angepasst und die unterschiedlichen Häuser haben verschiedenste Bewohner. Jedes Haus ist nach einem Typen gerichtet – ob Künstler, Handwerker, oder Menschen, die Urbanes Wohnen gewohnt sind – für jeden gibt es das passende Haus.

Da es ein „Dorf“ ist, gibt es natürlich auch einen Einkaufsladen, ein Café, eine Poststelle und weitere Anlaufstellen, um so ein ganz normales Umfeld zu projizieren, in dem sich die Bewohner frei bewegen können und ihrem Leben wie gehabt nachgehen können. Das Ziel ist, den Leuten ein ihrem Hintergrund gerechtes Wohnen zu ermöglichen und das Leben so normal wie möglich fortzuführen. Die Pfleger sind nicht wie Pfleger gekleidet, sondern gliedern sich in Zivilkleidung in das „Dorfleben“ ein. Auf Nachfrage eines Patienten sagen sie jedoch ganz offen, wer sie sind und was für eine Einrichtung dies ist.

Diese Dörfer sind in Australien inzwischen so weit verbreitet, dass man sich nicht nur eins in der Nähe der Familie aussuchen kann, sondern auch ganz nach Vorliebe: nahe der Stadt, dem Wald oder dem Meer. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die Pflege-Ausbildung in Australien

Das Modell der Krankenpflege in seiner Ursprungsform war an das britische System angelehnt. Es beinhaltete eine Ausbildung, die stark an die Praxis gebunden war. Australien änderte dies im Laufe der Jahre stetig. Heute ist der Pflegeberuf akademisch ausgerichtet, aber immer noch mit einem starken Praxisbezug. So schließt man akademische Grade ab, beginnend mit einem Bachelor Abschluss, hin zu Master und sogar den internationalen Doktorgrad „PhD“.

Der entsprechende Abschluss bestimmt die Berufsqualifikation und die damit einhergehende Verantwortung. Der Pflegeberuf an sich hat einen sehr guten Ruf und es bestehen nicht die Schwierigkeiten Personal zu gewinnen, wie man das in Deutschland kennt. Die Bezahlung ist ganz ähnlich wie in Deutschland auch.

Der Blick auf die andere Seite des Erdballs zeigt: Das Pflegesystem in Australien ist ebenso wie hier durch den demographischen Wandel herausgefordert. Die Pflege insgesamt hat jedoch einen besseren Stand in der Gesellschaft und für uns neuartige Pflegeeinrichtungen wie die „Senioren-Dörfer“ sind dort schon längst etabliert. Von dem innovativen Umgang mit dem demographischen Wandel können wir uns in Deutschland also noch etwas abschauen.

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