Musik als Schmerzmittel - Funktioniert das wirklich?

Verschiedene Studien untersuchen, ob Musik wirklich schmerzstillende oder sogar heilende Wirkung haben kann. Nachweisbar oder Wunschdenken?

Glücklich sein hilft  

Dass Musik zumindest bei seelischen und psychologischen Problemen helfen kann, ist bekannt: sie kann Stress abbauen und je nach Lied und Stimmung sogar glücklich machen. Die Wirkung von Musik auf Geist und Seele kann dabei sehr unterschiedlich sein: Traurig machen und glücklich, niederschlagen, beleben und sogar zu Tränen rühren. Wenn die seelische Wirkung derart deutlich erkennbar ist, liegt die Vermutung nahe, dass auch körperliche Wirkungen von Musik ausgehen können. Denn Körper und Geist bilden eine Einheit.

Diese zu erwartende Wirkung von Musik auf den Körper ist mittlerweile durch verschiedene Studien belegt. Eins zeigt sich dabei aber auch: Die Musik an sich ist es nicht, die eine heilende Wirkung hat, sondern die Gefühle, die sie in uns auslöst. Dabei wirkt Musik dadurch, dass sie durch ihre emotionale Wirkung das Gehirn dazu veranlasst, bestimmte Botenstoffe auszuschütten, die ihrerseits verschiedenste Wirkungen auf unseren Körper haben können.

Wirkung bei jedem anders

Wenn Musik uns gefällt, sie uns mitreißt, dann schüttet das Gehirn Endorphin, Dopamin und andere Opioide aus, die nicht nur glücklich machen, sondern auch eine schmerzlindernde Wirkung haben. Eine Studie der Ohio State University in Columbus zeigte, dass Patienten, die künstlich beatmet werden mussten, im Durchschnitt fünfmal pro Tag nach beruhigenden Medikamenten verlangten. Eine andere Gruppe Patienten hörte stattdessen auf Verlangen ihre Lieblingsmusik. Diese Gruppe benötigte die Medikamente im Schnitt pro Tag zweimal weniger. Das heißt also: Musik wirkt wirklich.

Im Prinzip ist es daher auch keine Übertreibung, wenn einige Menschen sagen, sie seien „musiksüchtig“: Denn durch das Ausschütten von Botenstoffen macht sie tatsächlich auf eine ähnliche Weise glücklich, wie einige Medikamente und Drogen. Nur eben auf natürliche Weise über das eigene körperliche Belohnungssystem.

Musikgeschmack und Heilwirkung

Stimmen die Studien, so kann man einen Schluss daraus ziehen, der zunächst einmal absurd klingt: Unser Musikgeschmack kann Einfluss haben auf unsere körperliche Gesundheit. Wer ausschließlich auf harte, laute und schnelle Musik steht, hat das Problem, dass die Musik, die er oder sie mag, wenig positiv heilende Wirkung auf den Körper hat, weil sie aufgrund ihrer Intensität nicht wirklich stressabbauend wirken kann. Gleichzeitig wirkt Musik, die bei anderen Stressabbauend ist, bei dieser Person deshalb nicht positiv, weil sie kaum positive Emotionen auslöst, wenn sie nicht wirklich gefällt.

So schlimm ist das aber natürlich auch nicht: Die wenigsten Heavy-Metal-Fans werden die Musik ihrer beruhigenden und therapeutischen Wirkung wegen gut finden. Wer bei schnellen Drums und harten Riffs noch tief entspannen kann, hat natürlich Glück gehabt.

Andere Wirkung: Klangtherapie

Es gibt andere Methoden, in denen Musikinstrumente medizinisch zum Einsatz kommen. Viele Einrichtungen und Pflegebetriebe setzen auf die therapeutische Wirkung von Klangtherapie. Diese funktioniert aber weniger über die psychologischen Effekte, die gehörte Musik auf die Seele hat, sondern mehr über die körperliche Wirkung von Schall. Klangmassagen mit Klangschalen und Co. halten immer mehr Einzug in den pflegemedizinischen Alltag in Deutschland legen ihr ursprüngliches Stigma von Esoterik ab. Aber auch wenn die Wirkung sehr ähnlich ist: Als „Musik“ kann man diese Verwendung von Instrumenten wohl nur schwerlich bezeichnen.

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