Medizinische Vorsorgeuntersuchungen: Welche wann sein sollten

In Deutschland stehen den gesetzlich Versicherten eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen zu, die sie ab einem festgelegten Alter nutzen können. Wir führen auf, welche Untersuchungen wann wahrgenommen werden können – und auch sollten.

Das Angebot wird nicht genug genutzt

Der Umfang der Präventionsuntersuchungen wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegt und die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Doch obwohl die Angebote im Rahmen der Früherkennung für Frauen bereits ab 20 Jahren und für Männer ab 35 Jahren beginnen, werden sie nur von einem Bruchteil der Anspruchsberechtigten wahrgenommen: nur knapp 50 Prozent aller Frauen gehen regelmäßig zur Krebsfrüherkennung, bei den anspruchsberechtigten Männern sind es noch nicht einmal 20 Prozent. Und nur 17 Prozent aller Frauen und Männer ab 35 nutzen die allgemeine Gesundheitsuntersuchung.

Zahnvorsorge ein Leben lang – ab 18

Die Vorsorge für Erwachsene beginnt bereits mit 18: Ab jetzt steht für Frauen und Männer einmal je Kalenderhalbjahr eine Zahnvorsorge-Untersuchung auf dem Programm. Der Zahnarzt prüft dabei Zähne und Zahnfleisch auf Karies oder Parodontitis und veranlasst bei Bedarf eine Zahnsteinentfernung, eine Röntgenuntersuchung oder eine Sensibilitätsprüfung.

Ab 20 und 30 Jahren – nur für Frauen

Ab 20 Jahren beginnt bei Frauen die Krebsvorsorge: vom Gynäkologen wird jährlich eine Genitaluntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs durchgeführt. Ab 30 Jahren kommt noch eine Brustuntersuchung hinzu, weil ab diesem Alter die Brustkrebsfälle anzusteigen beginnen. Diese Vorsorgeuntersuchungen sollten regelmäßig durchgeführt und ein Leben lang beibehalten werden, um Auffälligkeiten möglichst frühzeitig zu entdecken.

Auf Herz und Nieren getestet – ab 35

Ab 35 Jahren wird der Gesundheits-Check-Up für Männer und Frauen wichtig: ab jetzt kann alle zwei Jahre eine ausführliche Untersuchung beim Hausarzt in Anspruch genommen werden. Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt wird eine körperliche Untersuchung von Herz, Lunge, Kopf, Hals, Bauch, Wirbelsäule, Bewegungsapparat, Nervensystem und den Sinnesorganen durchgeführt. Eine Blutprobe gibt Aufschluss über die Cholesterin- und Blutzuckerwerte und damit über ein Diabetes-Risiko. Eine Blutdruckmessung kann Aufschluss über eine beginnende Herz-Kreislauf-Erkrankung geben und mit einer Urinuntersuchung wird auf Nieren- und Blasenerkrankungen getestet.

Eine weitere sinnvolle – und völlig schmerzfreie – Untersuchung beim Hautarzt wird ab 35 bei Frauen und Männern von den gesetzlichen Kassen übernommen: die Ganzkörperuntersuchung der Haut, auch Hautkrebs-Screening genannt. Mit ihr können bereits frühzeitig sich verändernde Muttermale erkannt werden und es kann schnell eingeschritten werden. So kann in den meisten Fällen der gefürchtete schwarze Hautkrebs vermieden bzw. rechtzeitig therapiert werden.

Für Männer ab 45: Krebsvorsorge

Eine weniger gern in Anspruch genommene Vorsorgeuntersuchung ab dem Alter von 45 Jahren ist bei Männern die jährliche Prostata- und Genitaluntersuchung inklusive einer Untersuchung der Lymphknoten. Sie dient der frühzeitigen Erkennung von Prostatavergrößerungen oder -veränderungen und stellt damit einen wichtigen Vorsorgebaustein gegen Krebs dar. Der kleinen Unannehmlichkeit der Untersuchung steht ein erheblicher Gesundheitsvorteil gegenüber: Veränderungen, die sonst oft lange unentdeckt bleiben würden, können mit dieser Untersuchung sehr frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ab 50 bzw. 55 Jahren: Weitere Krebsvorsorge im Blick

Mit 50 wird für Frauen in der Krebsvorsorge nochmals draufgesattelt: ab jetzt und bis zum Ende des 70. Lebensjahres werden Frauen eingeladen, alle zwei Jahre an einem Mammographie-Screening teilzunehmen. Bei dieser Untersuchung wird die weibliche Brust auf gutartige oder bösartige Tumore untersucht. Auch sehr kleine und noch nicht tastbare Knoten können auf den Aufnahmen aufgespürt werden – so kann gegebenenfalls rechtzeitig eine Therapie eingeleitet werden. Eine Strahlenbelastung durch die Röntgengeräte muss heute nicht mehr gefürchtet werden. Bei den heute verwendeten Geräten – z. B. bei der digitalen Mammographie – ist die Strahlenbelastung unerheblich.

Auch eine weitere Krebsvorsorge tritt jetzt sowohl für Männer als auch Frauen weiter in den Vordergrund: bis zum Alter von 54 Jahren sollte jährlich eine Dickdarm- und Rektumuntersuchung und ein Test auf verborgenes Blut durchgeführt werden. So können Erkrankungen des Darms – zum Beispiel gutartige Polypen oder auch bösartige Tumore erkannt und behandelt werden.

Ab 55 Jahren sollten im Abstand von 10 Jahren dann zwei Darmspiegelungen durchgeführt werden. Den Test auf verborgenes Blut braucht man dann nur noch alle zwei Jahre.

Mit 65 – einmal und nie wieder

Insbesondere Männer ab einem Alter von etwa 65 Jahren können an einem Bauchaortenaneurysma erkranken. Die Bauchschlagader-Erweiterung entwickelt sich ohne Symptome und kann – wenn das erweiterte Gefäß im Bauchraum platzen sollte – unerwartet eine lebensbedrohliche Situation herbeiführen. Eine einfache und schmerzfreie Ultraschalluntersuchung des Bauches ist geeignet, eine Gefäßerweiterung aufzuspüren und ist daher einmalig als Vorsorgeleistung vorgesehen.

Mit dem Katalog der Vorsorgeuntersuchungen sollen die großen Risiken der heutigen Gesellschaft in Bezug auf die häufigsten Erkrankungen frühzeitig erkannt werden. Früherkennung mindert Risiken und rettet Leben. In der Regel sind die Untersuchungen schmerzfrei und wenig aufwändig. Nach einer persönlichen Beratung kann der Hausarzt die Vorsorgeuntersuchungen koordinieren und die nötigen und möglichen Maßnahmen individuell mit dem Patienten abstimmen.

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