Leben mit künstlicher Ernährung

Künstlich ernährt werden zu müssen, das klingt zunächst hart. Allerdings ist die Veränderung, die damit einhergeht, oft nicht so gravierend, wie viele erwarten.

Wann künstliche Ernährung in Frage kommt

Grundsätzlich lassen sich drei Wege unterscheiden, durch die Nährstoffe in unseren Kreislauf gelangen. Die natürliche und auch erstrebenswerteste Form von Ernährung ist dabei erwartungsgemäß die orale Ernährung, also die klassische Nahrungsaufnahme durch den Mund. Das funktioniert im Alltag der meisten Menschen zum Glück auch so problemlos, dass man sich gar nicht bewusst ist, wie viele Faktoren doch erfüllt sein müssen, um sich natürlich über den Mund ernähren zu können.

Der Kaumuskel in unserem Kiefer ist z.B. nicht zufällig der stärkste Muskel unseres Körpers, denn Nahrung zu zerkleinern erfordert mitunter einen enormen Kraftaufwand: Über 90 Kilogramm Beißkraft hat ein gesunder Kiefer. Wenn diese nachlässt – und die Gründe dafür können vielfältig sein – kann das die Ernährungsmöglichkeiten bereits deutlich einschränken. Aber das allein ist noch kein Grund dafür, dass künstliche Ernährung nötig wird.

Weitaus problematischer wird es, wenn die Störung weiter hinten im Mund auftritt: Nämlich beim Schlucken. Hieran sind viele verschiedene Muskelgruppen beteiligt. Eine sogenannte Dysphagie, eine Schluckschwäche, kann verschiedenste Gründe haben, darunter Schlaganfälle, Parkinson oder Demenz. Wenn Nahrung nicht mehr richtig runtergeschluckt werden kann, droht Erstickungsgefahr. Wenn sie gar nicht mehr geschluckt werden kann, könnte der Körper ohne künstliche Ernährung keine Nährstoffe mehr aufnehmen.

Diese Formen künstlicher Ernährung gibt es

Wenn künstliche Ernährung notwendig wird, gibt es zwei grundsätzliche Methoden, diese durchzuführen, die „enteral“ und „parenteral“ genannt werden. Sie unterscheiden sich grundlegend darin, an welcher Stelle des Kreislaufs die nicht mehr mögliche natürliche Ernährung ersetzt wird. Grundsätzlich ist aber in beiden Fällen die Beratung bzw. Betreuung durch professionelle Pflegekräfte und Ärzte ein Muss.

Wenn beide Optionen offenstehen, wird generell zuerst auf enterale Ernährung gesetzt: Diese Form der künstlichen Ernährung verwendet eine Magensonde oder eine PEG-Sonde, um Nährstoffe so in den Verdauungstrakt einzuführen, dass eventuelle Schluckbeschwerden umgangen werden. Eine Magensonde ist ein Schlauch, der durch Mund oder Nase durch die Speiseröhre in den Magen geleitet wird, und so eine „normale“ Verdauung ermöglicht, nur, dass der Mundapparat umgangen werden kann. Besonders, wenn die künstliche Ernährung längerfristig nötig wird, kann eine PEG-Sonde verwendet werden. PEG steht für „perkutane endoskopische Gastronomie“ und bezeichnet das Legen einer Sonde direkt durch die Bauchdecke in den Magen.

Die Alternative zu Magensonde und PEG ist, die Nährstoffe direkt in die Blutbahn zu bringen. Diese Option ist teurer und risikoreicher, kann aber nötig werden, wenn die eigenständige Verdauung des Körpers nicht funktioniert. Zum Beispiel, wenn eine Darm-Erkrankung die Nährstoffaufnahme ins Blut zu stark einschränkt. Anders als die oben enterale künstliche Ernährung ist diese Art künstlicher Ernährung nur bei stationärer Behandlung möglich.

Im Alltag kann man sich daran gewöhnen

Was in der Theorie wie ein tiefgreifender Einschnitt klingt, stellt sich bei den meisten Betroffenen mit der Zeit als gar nicht so schlimm heraus. Der Umgang mit PEG-Systemen ist für Betroffene und Angehörige meist schnell erlernt und fügt sich schon nach kurzer Zeit in den gewöhnlichen Alltag ein wie Zähneputzen. Letzteres sollte man übrigens auch dann weiter betreiben, wenn der Mund gerade nicht mehr zum Essen verwendet wird. In vielen Fällen ist übrigens vorsichtiges Trinken oder das „Naschen“ z.B. von Suppen auch mit Sonde noch erlaubt – Allerdings immer unter Aufsicht. Essen ist nicht alles: Wer positiv an künstliche Ernährung herangeht, wird durchaus einige Vorteile darin wahrnehmen. Das Bewusstsein, sicher die Nährstoffe zu erhalten, die man braucht, und außerdem stets gesättigt zu sein, sollten nicht unterschätzt werden.

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