Künstliche Ernährung – wann und warum

Wenn ein Mensch nicht (mehr) in der Lage ist, selbstständig ausreichend Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen, muss über Maßnahmen für eine künstliche Ernährung entschieden werden. Oft müssen die Angehörigen diese Entscheidung treffen, wenn der Betroffene aufgrund der Umstände seinen Willen nicht ausdrücken kann. Dabei spielen viele Fragen und auch ethische Überlegungen eine Rolle.

Warum Ernährung eine wichtige Bedeutung hat

Die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit hat in erster Linie eine biologische Funktion. Der Körper wird mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt, die er zum Überleben braucht. Darüber hinaus erfüllt die Nahrungsaufnahme jedoch in allen Kulturen auch soziale, symbolische und religiöse Funktionen. Das gemeinsame Essen und Trinken in Gesellschaft, das Zubereiten einer Mahlzeit für Kinder, Gäste, Freunde oder ältere Menschen – all dies zeigt soziale und familiäre Verbundenheit und ist ein Ausdruck von Zuneigung und Fürsorge.

Wenn die Nahrungsaufnahme aus irgendeinem Grund nicht (mehr) so funktioniert wie gewohnt, erschreckt und verunsichert das oft. Sowohl die Betroffenen selbst, als auch Angehörige und Freunde. Demnach ist der häufigste Beweggrund, warum künstliche Ernährung in Anspruch genommen wird, nicht nur den Hunger und Durst des Betroffenen zu stillen, sondern ihm auch ein Stück Lebensqualität zu erhalten oder diese zu verbessern.

Wann künstliche Ernährung notwendig wird und wie sie funktioniert

Es gibt verschiedenste Ursachen, warum ein Mensch trotz eigener Bemühungen und/oder Hilfe durch andere nicht ausreichend essen kann. Die meisten treten als Folge einer Erkrankung auf und führen vorübergehend oder dauerhaft dazu, dass die natürliche Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist. Dafür gibt es dann zunächst spezielle Trinklösungen, die den Patienten mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Ist jedoch das Schlucken an sich erschwert oder gänzlich unmöglich – beispielsweise durch Tumore im Mund- und Rachenraum, Schlucklähmung oder Schluckstörungen in Folge eines Schlaganfalls – dann wird über den Einsatz einer Sonde zur künstlichen Ernährung nachgedacht.

Hier gibt es prinzipiell zwei verschiedene Möglichkeiten: Die sogenannte „Nasensonde“ wird vorübergehend eingesetzt, bis der Patient wieder selbstständig essen kann (bis maximal vier Wochen). Dabei werden die notwendigen Nährstoffe über einen Schlauch durch die Nase bis in den Magen transportiert. Ist der Patient jedoch voraussichtlich mehr als 20-28 Tage auf künstliche Ernährung angewiesen, kommt die Magensonde, die sogenannte „PEG-Sonde“ (PEG steht für „perkutane endoskopische Gastronomie“) zum Einsatz. Bei dieser werden die Nährstofflösungen direkt über die Bauchdecke in den Magen geleitet.

Im Sinne des Patienten entscheiden

Der Einsatz einer Sonde muss medizinisch begründet sein und bedarf immer der Zustimmung des Betroffenen. Wenn der Patient (vorübergehend) nicht in der Lage ist, seine Wünsche oder Bedürfnisse zu äußern, muss auf seinen schriftlich dokumentierten oder mutmaßlichen Willen zurückgegriffen werden. Eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht können die Entscheidung für Ärzte sowie Angehörige somit sehr erleichtern. Denn die Entscheidung über künstliche Ernährung ist eine große Herausforderung – insbesondere, wenn trotz dieser lebenserhaltenden Maßnahme keine Genesung zu erwarten ist.

Hier spielen viele ethische Fragestellungen eine Rolle, die die Entscheidung vor allem für Angehörige sehr belastend machen kann. Im Grunde steckt dahinter die intuitive Annahme, dass man durch die künstliche Ernährung das körperliche und emotionale Wohlbefinden des Betroffenen erhalten oder verbessern kann. Oft spielt auch der Wunsch eine Rolle, die Lebenserwartung des Patienten zu erhöhen. Es muss daher umfassend beraten und geklärt werden, ob eine künstliche Ernährung im individuellen Fall medizinisch notwendig, im Sinne des Patienten und ethisch vertretbar ist. Der Patientenwille sollte dabei immer die oberste Priorität haben und jegliches Handeln bestimmen.

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