Kompressionstherapie – Wirkung und Einsatzgebiete

Viele schwören auf Kompressionsstrümpfe als Wunderwaffe gegen Krampfadern, tragen sie auf längeren Flugreisen oder beim Sport. Kompressionstherapie hilft zudem gegen verschiedene Durchblutungsprobleme, die im Alter auftreten können. Aber warum und wie funktioniert sie überhaupt? 

Kompression – Warum?

Im ersten Moment mag es seltsam erscheinen, dass mit speziellen Strümpfen das untere Bein „zusammenzudrücken“ tatsächlich medizinisch von Vorteil sein kann. Wie funktioniert also Kompression? Durch unseren aufrechten Gang muss unser Blut eine relativ große Strecke hinunter in unsere Füße und zurück zu unserem Herzen zurücklegen. Ein gesunder Kreislauf hat keine Probleme, der Schwerkraft zu trotzen, aber bei besonderer Beanspruchung, mangelnder Bewegung oder geringem Blutdruck kann es passieren, dass das Blut der Schwerkraft „nachgibt“ und sich in Fuß und Unterschenkel anstaut. Die hauptsächliche Wirkung von Kompressionstherapie bzw. Kompressionsstrümpfen ist, dass der erhöhte Druck auf das Bein die Blutgefäße verengt. Durch die so verengen Gefäße kann das Blut schneller fließen. Durchblutungsstörungen können damit vermieden werden.

Thrombosebehandlung und Wundtherapie

Normalerweise ist die Fähigkeit unseres Blutes zu gerinnen etwas Gutes: Sie ist es, die dafür sorgt, dass Wunden sich schließen und wir an Verletzungen nicht verbluten. Allerdings kann Blut nicht nur in offenen Wunden, sondern auch innerhalb der Blutgefäße gerinnen. In schweren Fällen entsteht dadurch ein Blutgerinnsel, der sogenannte Thrombus, Namensgeber der Thrombose. Thrombose tritt in den allermeisten Fällen als Venenthrombose auf, denn in den Venen fließt das Blut zum Herz zurück und ist damit langsamer als in den Arterien, über die es vom Herzen aus verteilt wird. Eine Thrombose der Beinvenen ist aus den oben genannten Gründen die häufigste Form der Thrombose. Die Venen durch Kompression des Beines von außen zu verengen, beugt dem vor.

Oft durch eine Insuffizienz der Venenklappen verursacht, kann beim sogenannten Offenen Bein (Ulcus crusis venosum) das Blut nicht mehr vollständig vom Bein zum Herzen zurücktransportiert werden. Offene Wunden am Bein können dann nicht mehr richtig heilen. Hier hilft Kompressionstherapie: ein Druckverband schließt nicht nur die Wunde, sondern sorgt auch dafür, dass angestautes Blut abtransportiert werden kann. Beim Offenen Bein muss der Druckverband regelmäßig gewechselt werden, aber das ist auch gerade ein Zeichen für den Erfolg: Wenn die Schwellung infolge der Kompression abnimmt, muss natürlich der Verband am nun weniger dicken Bein erneut straffgemacht werden. Kompressionstherapie ist dabei komplizierter als man denkt: Den richtigen Druck an den richtigen Stellen anzubringen, um eine Heilwirkung zu erzielen und nicht die Blutzufuhr zu stark zu kappen, dazu gehört Fachwissen.

Kompression in Sport und Freizeit

Kompression wird nicht immer nur rein als Vorbeugung und Behandlungsmaßnahme für Erkrankungen wahrgenommen. Immer mehr Sportler haben inzwischen Interesse an Kompression entwickelt. Sportartikelhersteller sehen darin die Gelegenheit gerade in Bereichen, in denen längere Strecken zurückgelegt werden, also z.B. bei Marathons, oder fürs Wandern, spezielle Produkte zu entwickeln. Die Idee ist, dass auch bei gesunden Sportlern Kompression einen Vorteil bieten kann, weil die Muskeln durch die erhöhte Geschwindigkeit, mit der das Blut fließen kann, besser mit Sauerstoff versorgt werden können. Die Produkte, die hier zum Einsatz kommen, haben allerdings in den allermeisten Fällen eine wesentlich geringere Kompressionswirkung als „klassische“ Kompressionsstrümpfe und -verbände.

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