Gemeinsam stark sein bei der Pflege zu Hause

Gespeichert von TillH am Mo, 13/11/2017 - 09:33

Bei einer einsetzenden Pflegebedürftigkeit finden sich nicht nur die Pflegebedürftigen selbst, sondern auch ihre Angehörigen in einer neuen Lebenssituation wieder. Alle Beteiligten müssen sich bewusst sein, dass eine gewisse Hilfestellung in der Zukunft nötig sein wird. Es ist aber auch wichtig zu überlegen, was das für jeden im Einzelnen bedeutet. Wir geben Tipps.

Aufgaben aufteilen

Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, sollten zunächst alle gemeinsam die Situation in ihrer Gesamtheit erfassen. Die oder der Pflegebedürftige wird sich fragen, welche Bereiche der Lebensführung sie oder er in Zukunft weiter selbst übernehmen kann und in welchen Lebensbereichen Unterstützung benötigt wird. Wichtig ist dabei auch zu überlegen, wer für diese Art der Unterstützung geeignet ist. Wo in einigen Fällen und für einige Aufgaben nur bestimmte Angehörige das nötige Vertrauen genießen, um sie in Erwägung zu ziehen, ist gerade in komplexeren Fällen eventuell das Hinzuziehen von Fachleuten ratsam. Auch die Angehörigen müssen natürlich von ihrer Seite entscheiden, wer wann was machen kann und will. In welchen Bereichen Hilfe benötigt wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und sehr individuell. In vielen Fällen helfen Angehörige bei Dingen wie dem Einkaufen oder helfen als Fahrer aus. Werden direkt Pflegetätigkeiten von Angehörigen übernommen, muss für so etwas natürlich ein anderes Zeitfenster eingeplant werden. Außerdem je nach Art der Pflegebedürftigkeit Ressourcen aktiviert oder neue Fähigkeiten erlernt werden.

Individuelle Hilfestellung

Fragen, die sich Angehörige stets stellen sollten sind, was sie bereit sind zu leisten und wie sie es in ihren Alltag integrieren wollen. Man sollte sich immer bewusstmachen, dass es den Pflegebedürftigen nicht hilft, wenn sich die Angehörigen über ihre eigenen Grenzen hinaus aufopfern. Unterstützung sollte auch nicht bedeuten, an Freizeitaktivitäten zu sparen – Hilfsbedürftigkeit darf nicht bedeuten, dass der Kontakt sich fortan auf die Hilfe beschränkt. Man muss sich außerdem vor Augen halten, dass die Hilfeleistung unter Umständen dauerhaft nötig sein kann. Was geschieht dann in der Zeit, in der man nicht vor Ort ist? Was in der Urlaubszeit? Man muss sich unbedingt klarmachen, dass eine dauerhafte eins-zu-eins-Betreuung für Angehörige eine Herausforderung ist. Auch wenn es für eine gewisse Zeit gut geht besteht die Gefahr, dass eine nervliche Belastung nicht nur dem Angehörigen selbst schadet, sondern auch die Beziehung zu der pflegebedürftigen Person belastet – aus gut gemeinten Zielen werden dann notdürftige Lösungen. Gerade deshalb ist es wichtig, solche Belastungen frühzeitig zu erkennen und zu kommunizieren. Denn selten ist man als Angehöriger allein.

Im Optimalfall erscheint es selten wie eine Last

Eine Lösung kann sein, die Bestrebung auf so viele Schultern zu verteilen, dass alle so viel investieren, wie es ihnen möglich ist, ohne sich selbst zu vergessen. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Verwandte können mithelfen und einzelne Aufgaben übernehmen oder vielleicht gibt es in der Gemeinde eine Möglichkeit Hilfe zu organisieren. Das digitale Zeitalter erleichtert Vernetzung und Kommunikation ungemein. Jetzt ist die Zeit Kontakte zu reaktivieren. Vielleicht lassen sich sogar Verwandte und Bekannte mit einbeziehen, die in das Leben des Pflegebedürftigen in letzter Zeit nicht mehr so stark involviert waren. Fürs Pflegerische kann man natürlich die Unterstützung durch einen Pflegedienst für viel Entlastung sorgen. Man muss sich im Klaren sein, dass die Pflege Angehöriger bei aller Liebe nicht für jeden das Richtige ist. Außerdem wünscht die pflegebedürftige Person selbst vielleicht gar nicht, dass die Pflege von Angehörigen übernommen wird, weil sie den Eingriff in die Intimsphäre eher von professionell geschulten Pflegekräften bevorzugt. Um herauszufinden, welche Lösung für alle Betroffenen optimal ist, hilft wie so oft vor allem eines am besten: Eine offene Aussprache.

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