Das Prinzip "Aktivierung" in der Altenpflege

Der Alltag in Alten- und Pflegeheimen besteht für die Bewohner oft in einem täglichen festen Ablauf zwischen Aufstehen, Mahlzeiten, Fernsehen und Schlafengehen. Der regelmäßige Rhythmus schafft Sicherheit und Verlässlichkeit, lässt aber im Tagesverlauf reichlich Raum für Langeweile, Eintönigkeit und Niedergeschlagenheit. Aktivierung kann diesen Gefühlen entgegenwirken.

Personalisierte Angebote

Aktivierung als Prinzip in der Pflege setzt sich zum Ziel, den Alltag pflegebedürftiger Menschen „aufzumischen“ und so die Lebensqualität zu erhöhen. Es zeigt sich, dass die Aktivierung am besten wirkt, wenn sie individuell auf die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen abgestimmt wird und auf ihre Erfahrungen, Kenntnisse und Interessen aus einem mitunter langen Leben zurückgreift. So wird möglicherweise ein ehemaliger Handwerker, der viele Jahre mit seinen Händen gearbeitet hat, besser auf praktische Beschäftigungsangebote reagieren, bei denen er seine Fähigkeiten aus dem Berufsleben anwenden kann. Die ehemalige Hausfrau, die ihre Kinder aufgezogen und den Haushalt geführt hat, fühlt sich vielleicht eher beim gemeinsamen Kaffeetrinken wohl, bei dem gemeinsam bekannte Lieder gesungen werden. Gelegenheiten zur Aktivierung können durch Pflegende meist gut in den Arbeitsablauf eingebaut werden und tragen dazu bei, den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten.

Auf Fähigkeiten und Wünsche abgestimmt

Pflegerinnen und Pfleger nehmen durch kurze Aktivierungsphasen Rücksicht darauf, dass sich die Konzentrationsfähigkeit vieler Menschen im Alter reduziert. Zeitdruck sollte dagegen vermieden werden – er verursacht Stress und verkürzt die kognitive Leistungsfähigkeit. Aber schon ein kurzes Gespräch über persönliche Themen kann für die Aktivierung von Menschen und die ihres Gedächtnisses wahre Wunder wirken.

Im Alter nehmen die Seh- und Hörfähigkeiten sowie Beweglichkeit und Geschicklichkeit bei vielen Menschen oft ab. Aktivierung kann dem entgegenwirken – Ein einfaches Ballspiel macht nicht nur Spaß, sondern bringt auch den ganzen Kreislauf in Schwung. Dabei kann man unabhängig vom Alter übrigens auch ruhig auch mal albern sein – Denn Lachen ist vielleicht eine der besten Formen von Aktivierung. Natürlich sollte immer auf die individuellen Bedürfnisse der jeweils pflegebedürftigen Person geachtet werden. Das kann auch bedeuten Rücksicht auf Menschen zu nehmen, die sich in der Gruppe nicht so wohl fühlen. Es gibt viele Konzepte, die sich als Einzelbeschäftigung eignen und im eigenen Zimmer oder im Aufenthaltsraum durchgeführt werden können.

Aktivieren kann jeder

„Aktivierung“ als Begriff klingt recht klinisch und unpersönlich. Aber in der Praxis geht es darum, Spaß und Spannung zu erzeugen, also das direkte Gegenteil. Nicht nur Pflegekräfte sollten daher mit einbezogen werden. Im Gegenteil: Jeder, der sich im Umfeld der pflegebedürftigen Person befindet, kann mitmachen und auch Dritte sind oft dabei. Manche sogar professionell: Durch Kontakte zu lokalen Einrichtungen wie zum Beispiel Zoos, Chören oder Künstlern aus der Region schaffen viele Pflegeeinrichtungen Angebote, die für die Bewohner wahre Highlights sind. Der Besuch von Zoo-Mitarbeitern, die vielleicht noch ein ungewöhnliches Tier mitbringen, oder ein kleiner musikalischer Vortrag des Kirchenchors in der Adventszeit sorgen für Stimmung und nicht zuletzt für ein Gefühl der Verbundenheit. 

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