Ausländische Pflegekräfte gegen den Fachkräftemangel

Der wachsende „gefühlte“ Fachkräftemangel in der Alten- und Krankenpflege wird auch durch aktuelle Zahlen aus dem Bundesministerium für Wirtschaft bestätigt. Einer wachsenden Anzahl freier Stellen im Pflegesektor stehen nur wenige Bewerber gegenüber. Bund, Länder und Städte, aber auch kirchliche Einrichtungen und Stiftungen, haben nun verschiedene Ausbildungs- und Eingliederungsprogramme aufgelegt, mit denen die Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen in Pflegeberufe gelingen soll.

Begleitet zum Erfolg

Eine Reihe positiver Beispiele zeigt bereits, dass sich Mitbürger mit Migrationshintergrund gut in das bestehende System integrieren lassen, wenn sie bei der Eingliederung in unsere Kultur und Sprache ebenso wie bei der Ausbildung unterstützt werden. Die Motivation von Geflüchteten und Migranten ist hoch: sie wollen so schnell wie möglich eine Arbeit aufnehmen und auf eigenen Füßen stehen. Hier kann eine Berufsausbildung mit der Aussicht auf eine spätere Übernahme in einen Pflegejob eine gute Perspektive bieten.

Der Deutsche Caritasverband e. V. hat bereits 2016 einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem Projekte für Geflüchtete in der Pflege gesondert prämiert wurden. Bei den eingereichten Projekten wird deutlich, dass es darauf ankommt, die Menschen strukturiert von Beginn an auf ihrem Weg in die Ausbildung und darüber hinaus zu begleiten. Es werden in der Regel aufeinander aufbauende Ausbildungsblöcke zur Vermittlung der deutschen Sprache und zum Erwerb der kulturellen, fachlichen und praktischen Kenntnisse vor und während der Berufsausbildung eingesetzt. Unterstützend stehen Ansprechpartner bei Fragen zur Seite und achten auf eine reibungslose Einbindung in die Abläufe in der Pflegeeinrichtung.

Für wen ist die Ausbildung offen?

Die Möglichkeit zur Aufnahme einer Ausbildung ist zunächst vom gegebenen Aufenthaltsstatus abhängig. Sofort einsteigen dürfen anerkannte Asylbewerber mit Aufenthaltstitel. Asylbewerber, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, dürfen ab dem vierten Monat nach dem Tag der Asylantragsstellung eine Ausbildung aufnehmen. Auch geduldete Flüchtlinge dürfen ab dem Tag der Duldung eine Ausbildung beginnen.

Einstiegswege

Ein Praktikum, das meist über sechs Wochen läuft, hilft zu entscheiden, ob die Tätigkeit in der Pflege eine sinnvolle Perspektive ist. Sowohl der Praktikant oder die Praktikantin als auch die Pflegeinrichtung können sich in dieser Zeit kennenlernen und testen, ob eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Ziel einer abgeschlossenen Pflegefachkraft-Ausbildung für beide in Frage kommt.

Es gibt auch andere Einstiegswege: mit einem Sprachcafé im Seniorenzentrum entstand zum Beispiel in Tauberbischofsheim ein Forum, in dem jugendlichen Zuwanderern im persönlichen Austausch mit den Bewohnern die Arbeit in einer Senioreneinrichtung nahegebracht und schließlich die Möglichkeit zur Ausbildung eröffnet werden soll.

Auch verschiedene schulische Angebote mit direkter Ausbildung oder Vorkurse zum Deutschlernen werden von verschiedenen Trägern angeboten. Das Projekt „First Step“ des Bildungswerks der hessischen Wirtschaft will bereits länger in Deutschland lebenden Zuwanderern und Geflüchteten in Hessen den Weg in einen Pflegejob ebnen. Nach dem Kursprogramm können die Absolventen eine pflegerische Ausbildung aufnehmen und dabei bereits in einer Pflegeeinrichtung tätig sein.

Die Ausbildungs- und Eingliederungsprogramme für Zuwanderer und Geflüchtete gegen den Fachkräftemangel in der Pflege sind vielfältig und oft auf lokaler Ebene organisiert. Eine individuelle einführende Beratung und langfristige Betreuung ist daher unerlässlich für eine erfolgreiche Ausbildung und eine anschließende erfüllende Berufstätigkeit. Multikulturelle Pflege bringt eigene Herausforderungen, aber auch neue Gelegenheiten mit. 

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